Dieter Berner, Obmann des Verbandes der Filmregisseure:

Lieber Herr Medienconsulter Harald Pfannhauser, sind Sie so naiv oder stellen Sie sich nur so? Die Ablehnung der neuen Diagonale-Leitung durch den Verband der Filmregisseure, die meisten sehr wohl auf dem internationalen Markt tätig, hat absolut nichts mit Adorno, schon gar nichts mit nationalistischer Kleingeisterei und überhaupt nichts mit Verachtung von Geldmitteln für den Film zu tun, sondern nur mit Kompetenz und mit demokratischen Regeln.

Abgesehen davon, dass die aus langjähriger Erfahrung kommenden Einwände der Branche bei der Ablösung und Bestellung der neuen Leitung nicht gehört wurden, ist ein Team, das glauben machen will, es könne in einigen wenigen Monaten das alles auf die Beine stellen, was zurzeit versprochen wird, nicht sehr vertrauenserweckend für Leute, die gewohnt sind, auf A-Festivals zu reüssieren.

Ebenso ist es nicht eine Frage von Nationalismus, wenn man fürchtet, dass jemand ohne entsprechende Deutschkenntnisse die österreichische Jahresfilmproduktion höchstwahrscheinlich nicht gut genug kennen wird, um entscheiden zu können, was davon auf ein Festival des österreichischen Films passt.

Ein Festival, das unser Land gegenüber in- und ausländischen Gästen repräsentieren soll und das als Kernpublikum jene Klientel ansprechen muss, die durch die autoritäre Vorgangsweise der Umstrukturierung vor den Kopf gestoßen wird.

Für ernst zu nehmende Informationen über das Wesen und Funktionieren von Festivals im In- und Ausland stehen wir Ihnen gerne in Zukunft zur Verfügung.

Franz Schuh, Kulturkritiker und Essayist:

Hierzulande ist es eh wurscht, und genau deshalb darf man - leider - dieser Wurschtigkeit nicht nachgegeben. Als ich am 29. September aus dem Kurier erfuhr, dass Heimito von Doderer ein "berühmter Dramatiker" gewesen sei, fiel mir ein, dass ich zwei Tage vorher auch etwas aus dem STANDARD erfahren habe:

"Und Walter Benjamin warnte gar davor, dass das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit seine künstlerische Aura verliert und beliebig wird."

Der Feinspitz wird sich die Fügung "künstlerische Aura" auf der Zunge zergehen lassen, aber das geht wirklich zu weit, weil die Nähe des Verfassers Harald Pfannhauser zu Walter Benjamin schon auf den ersten Blick eine Ferne ist: Benjamin hat den Zerfall der Aura bejaht und sah darin keinesfalls eine Gefahr, dass die Kunst beliebig wird; im Gegenteil, durch den Zerfall der Aura haben sich nach Benjamin erst die Möglichkeiten eröffnet, die Kunst verbindlich im Politischen zu verankern. So ist Pfannhausers Ferne, auf die er Walter Benjamin gegenüber großen Wert legt, von anderer Art, als es sich Pfannhauser denkt.

Dafür wiederum sind Pfannhausers Künste durchaus im Politischen verankert, aber eben anders, als Benjamin das Politische dachte. Bei Pfannhauser ist es eine auf Politik gegründete Aura, deren ewiges Bestehen gegen jeden Zerfallsverdacht aus der Bezeichnung seiner beruflichen Tätigkeiten hervorgeht: Medienconsulter, arbeitet derzeit in der Wirtschaftskammer Österreich an medien-und kommunikationswirtschaftlichen Konzepten und ist Rundfunkbeirat der KommAustria.

Alexander Horwath, Leiter des Österreichischen Filmmuseums:

Balazs' Diagonale: Der Blick des Films ist der nahe Blick des Beteiligten. Godards Diagonale: Das Aufnehmen eines Bildes und seine Projektion ist immer ein Akt der Freiheit.

(DER STANDARD, Printausgabe, 2.10.2003/ Kommentar der anderen)