... Seit Wochen irrlichtert unser hippophiler Herr Bundespräsident als Opfer saudi-arabischer Gastfreundschaft durch die heimischen Medien. Einmal mussten sich diese zwei Stränge österreichischer Schicksalshaftigkeit in einem Interview vereinigen. Diese Woche war es so weit.

Als Hippokrene stellte sich dankenswerterweise das Magazin "NEWS" zur Verfügung - in der Nummer, in der Wolfgang Fellner aus Anlass tragisch verlaufener Landtagswahlen endlich wieder einmal das Foto seines liebsten Karrengauls auf das Cover brachte. Haider: Es reicht! wieherte es wenig originell vom Umschlag. Umso origineller, was Alfred Worm, seinem Pegasus die Sporen gebend, im Blattinneren der Frau des Bundespräsidenten entlockte: "Mein Mann ist ein echter Pferdeflüsterer."

Dass der Mann von Margot Klestil-Löffler ein beinharter Kontrollor der Macht ist, wussten wir - wie er Wolfgang Schüssel in die Zügel fährt und Hans Dichand an die Kandare nimmt, erlebt man ja immer wieder. Nun sollten wir endlich auch erfahren, was er den mit österreichischem Stallgeruch noch nicht vertrauten Tieren über jene Journalisten zuflüstert, die mit Verarbeitungshinweisen wie Leberkäs oder Salami ihre schreiberischen Rossäpfel fallen lassen und einen Wirbel um die Klestil-Pferde aufrühren, der das Band der engen freundschaftlichen Beziehungen, die der Bundespräsident seit vielen Jahren mit den Staatsmännern des arabischen Raumes pflegt, bis zum Zerreißen spannen könnte, wenn nicht bald ausgemistet wird.

Als geübter arabischer Raumpfleger überließ der Bundespräsident diese Arbeit seiner Frau, und die erledigte sie gründlich. Ich schäme mich für diese Journalisten, die noch dazu für sich beanspruchen, die öffentliche Meinung mitzugestalten. Als ob das Noch dazu nicht viel verwerflicher wäre! So viel Zynismus und Verachtung gegenüber Lebewesen bricht einem ja das Herz, was die schöne Seele nicht hinderte, für die Tierecke der "Kronen Zeitung" auch gleich folgendes Bekenntnis abzulegen: Für mich sind Tiere Teil der Schöpfung, die Respekt, Achtung und eine würdige Behandlung verdienen, wie wir Menschen auch. Ich liebe Tiere über alles und begegne einer solchen Geringschätzung mit Fassungslosigkeit.

Zwar werden auch sie und ihr Mann irgendwann schon Leberkäs gegessen haben - immer Guglhupf wird auch fad -, aber es ist leider kein gutes Zeichen für die Kultur in unserem Lande, wenn sich einzelne Journalisten derartig danebenbenehmen. Da geht es ja nicht nur um die Wurst, sondern um mehr. Diesen Herrschaften ist offensichtlich auch nicht bewusst, welchen außenpolitischen Schaden sie durch solche unqualifizierten Bemerkungen anrichten können. Aber keine Angst, der Bundespräsident wird sich beim saudischen Königshaus dafür entschuldigen, dass hierzulande der Missstand einer freien Presse herrscht.

Und das ist nicht das einzige Übel. Was wollen Sie - auch manche unserer Politiker geben ja den Menschen kein gutes Beispiel vor, was den Umgang miteinander oder die Gesprächskultur anlangt. Wie der Herr, so das G'scherr. Hier ist leider sehr vieles schief gelaufen in den letzten Jahren. Ein Kurswechsel ist dringend nötig in mancherlei Hinsicht. Ob der Bundeskanzler die Andeutung versteht?

Die Journalisten sollten sich jedenfalls zusammenreißen, statt an falschen Teilen der Schöpfung ihre Talente als Gastrosophen zu erproben. Denn man hört, dass weitere Dromedare und Pferde ante portas stünden. Was machen Sie damit?, wollte Worm wissen. Lieb haben, kam es aus der Diplomatin geschossen, noch ehe ein kreativer Gourmetkritiker mit einem Dromedarrezept ante portas war, das des Pferdeflüsterers historische Rolle als Klestil of Arabia gefährden müsste.

Sorgen sind da berechtigt, und Worm artikuliert sie mutig: Wenn Ihr Mann den gesamten Unterhalt aus eigener Tasche zahlt, müssen ihn die Tiere ja buchstäblich arm fressen. Ein Problem, aber kein unlösbares. So wie es früher einmal einen Reptilienfonds gegeben hat, könnte man ja nun eine Dromedarzulage für Bundespräsidenten einführen. Das sollte - Nulldefizit hin oder her - der Republik Österreich der arabische Raum wert sein. Dichand ist dafür, also kann Grasser gar nicht Nein sagen. Schon wird intensiv nachgedacht. Auch dahingehend versucht der Bundespräsident eine Lösung zu finden. Noch besteht kein Grund zur Aufregung, die Tiere sind gerade einmal vier Wochen in Österreich.

Eine Möglichkeit, dem Staat sparen zu helfen, regte Worm an: Der Präsident als Pferdepfleger? Warum nicht? Mein Mann macht das sehr gut und mit großer Freude. Er ist ein echter Pferdeflüsterer. Schließlich: Es gibt auch ein Leben nach der Hofburg. (DER STANDARD, Printausgabe, 3.10.2003)