Gentoo Linux 1.4

Mit einer ausgedehnten Verspätung ist im August endlich eine neue Version von Gentoo Linux zum Download freigegeben, beim Test der Vorgängerversion wusste der "kleine, flinke Pinguin" als Nicht-EinsteigerInnen-Distribution durchaus zu überzeugen, in der Zwischenzeit hat sich eine Menge getan, Grund genug Gentoo Linux erneut einem Test zu unterziehen.

Schon bei der Auswahl der Download-Möglichkeiten zeigt sich, dass es zahlreiche Neuerungen gibt, so stehen neben der "klassischen" minimalen Install-CD nun auch 2 CD-Sets die auf einzelne Prozessor-Typen vorkompilierte und optimierte Binaries enthalten, zur Auswahl, die die ...

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Installation

beschleunigen sollen. An dieser Stelle etwas Grundsätzliches: Gentoo-Linux ist eine sogenannte Source-basierte Distribution, sprich im Normalfall werden alle Programme aus den Quellcodes kompiliert und somit auf das eigene System optimiert. Dieses soll einerseits eine bessere Performance aber auch ein auf die eigenen Bedürfnisse angepasstes System bringen. Seit der Version 1.4 ist nun aber auch möglich Binär-Pakete zu installieren, vornehmlich um die Installation zu beschleunigen, im täglichen "Normalbetrieb", werden die Pakete aber weiterhin aus den Quellcodes erstellt.

Wer bei Gentoo Linux einen grafischen Installer sucht, der sucht...

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vergebens

Zwar gibt es mittlerweile mit dem Gentoo Linux Install Script (GLIS)-Projekt ein ziemlich ambitioniertes Unterfangen in diese Richtung, in Gentoo Linux 1.4 ist es aber noch nicht offiziell enthalten.

Doch auch in zukünftigen Version soll die "klassische" Installation per Kommandozeile im Mittelpunkt bleiben, und das hat auch seine Gründe, schließlich herrscht hier volle Kontrolle über alle vorgenommenen Einstellungen. Was mühsam klingt - und für EinsteigerInnen auch sicher nicht zu empfehlen ist - hat neben des positiven Ergebnisses eines optimierten Systems auch einen beträchtlichen...

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Lerneffekt

Denn wer sich durch die - im Übrigen ausgezeichnet dokumentierte - Anleitung wühlt, lernt nebenbei so einiges über die Funktionsweise von Linux.

Seit der Version 1.2 haben sich aber auch einige Helferchen eingeschlichen, die auf Wunsch die Einrichtung vereinfachen, so zum Beispiel ein Interface für die Netzwerkeinstellungen. Nach ein paar Grundeinstellungen folgt die...

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Partitionierung

der Festplatte um auch Raum für das neue System zu schaffen. Danach werden ein paar grundlegende System-Dateien auf die frischen Partitionen installiert, bevor es an die eigentliche Installation geht.

Diese ist - wenn sie denn von Grund auf angegangen wird - eigentlich ein äußerst langwieriger Akt, es kann - je nach Rechnerleistung - schon mal einen Tag dauern, bis alle Basis-Programme fertig kompiliert sind. Um dies abzukürzen gibt es - wie oben bereits kurz erwähnt - seit der Version 1.4 von Gentoo Linux die sogenannte Gentoo Reference Plattform (GRP). Um den Vorteil der prozessorspezifischen Optimierung nicht gänzlich zu verlieren gibt es hiebei Versionen für die verschiedenen x86 und PowerPC-Plattformen. Für den Test nehmen wir diese Abkürzung natürlich freudig an und schon nach kurzer Zeit kommen wir zum nächsten zentralen Punkt der...

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Kerneleinrichtung

Da der Kernel das zentrale Element von Linux ist gehört diesem auch besondere Liebe gewidmet. In der neuen Version gibt es nun auch zwei Wege einen solchen zu erstellen, entweder auf dem klassischen Weg durch Auswahl der Kerneloptionen per Hand oder auch mittels des neuen genkernel-Skripts. Dieses erzeugt automatisiert einen Kernel, der dann später per Harwareerkennung die benötigten Module nachlädt. Wer sein System möglichst schlank haben will, wird an der Konfiguration per Hand kaum vorbeikommen, für die anderen bietet genkernel auf jeden Fall aber eine flotte Alternative an, die zumindest beim Testsystem einen funktionstüchtigen Kernel ausspuckte. Da unter Gentoo Auswahl den halben Spass ausmacht, gibt es übrigens die Wahl zwischen einer Vielzahl an verschieden Kernels, die auf unterschiedliche Bedürfnisse ausgerichtet sind, so bereits auch immer aktuelle Versionen der 2.6.0-Test-Serie.

Anschließend muss noch ein Bootloader - Grub oder Lilo stehen zu Auswahl - eingerichtet werden, um das neue System später dann auch noch...

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booten

zu können. Diese auch nicht gerade triviale Aufgabe ist zum Glück ebenfalls sehr gut dokumentiert, wenn auch dies wahrscheinlich der Part ist, an dem EinsteigerInnen am ehesten scheitern / Fehler begehen könnten.

Dann kanns schon los gehen mit dem...

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Start

ins frische Gentoo Linux-System, wie zu sehen ist, schaltet sich an dieser Stelle bei einem mit genkernel erstellten System die Harwareerkennung hinzu, trotz dieser ist der Bootprozess noch immer erfreulich kurz, so dass schon bald, der vorerst noch konsolenbasierte...

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Login

auf uns wartet. Wer das bei der Installation gesetzte Passwort nicht vergessen hat, kann nun dazu schreiten weitere Software zu installieren. Das Paketmanagment übernimmt bei Gentoo ein System namens Portage, dass an das Ports-System von FreeBSD angelehnt ist. Dieses löst die benötigten Abhängigkeiten automatisch auf, so dass ein einfaches "emerge gnome" nicht nur den Unix-Desktop, sondern auch alle dafür benötigten Komponenten wie den Grafikserver XFree86 und vieles mehr installiert. Aus den Sourcen dauert dies natürlich wieder eine ganze Zeit, zum Glück sind aber auch so grundlegende Pakete wie KDE, GNOME, OpenOffice.org und alle von ihnen benötigte Software auf der zweiten CD in Binärform enthalten, so dass wir schon bald einen...

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grafischen

Login vorfinden. Zur Einrichtung der Desktopkomponenten und anderer Systembestandteile gibt es wieder einen ganzen Haufen von Anleitungen, die durchgehend erfreulich verständlich verfasst sind.

Aber genug der Voransprache und direkt ab auf den...

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Desktop

in diesem Fall ein Gnome 2.2, wie er kaum roher sein könnte.

Wer Gentoo benutzt möchte aber natürlich immer auf dem aktuellsten Stand bleiben und dafür ist die Distribution wirklich prädestiniert. Ein einfaches "emerge sync" bringt Portage auf den neuesten...

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Stand

mit einem "emerge -pu world" lässt sich zeigen welche Pakete seit dem letzten sync Updates verpasst bekommen haben, "emerge -u world" bringt das System dann auf den aktuellsten Stand. Wer besonders aktuell sein will, kann bei Gentoo auch den "unstable"-Modus ausprobieren, in dem die meisten Pakete umgehend erhältlich sind, für stable wird hingegen einige Zeit getestet. Zusätzlich finden sich auf mehreren Seiten oder den Gentoo Foren oft auch Pakete, die den Gentoo-EntwicklerInnen selbst für "unstable" zu neu sind, diese lassen sich manuell in den Portage-Tree einfügen, um so auch für diese die Verwaltungsvorteile des Paketmanagers zu genießen.

Einige Updates später sieht der Desktop dann eventuell schon...

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so

aus, ein Gnome 2.4 mit gdesklets und Industrial Theme von Ximian.

Hingewiesen sei extra noch darauf, dass sich die bei Gentoo verfügbaren Updates - im Gegensatz zu den "grossen" Distributionen wie Red Hat, SuSE und Mandrake - nicht auf Bugfixes und Sicherheitsupdates beschränken. Dadurch sagt die Distributionsversion von Gentoo auch vergleichsweise wenig aus, das System wird von den EntwicklerInnen laufend auf dem neusten Stand gehalten, so dass nach einem "emerge -u world" alles wieder topaktuell ist.

Ein grosser...

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Bonuspunkt

von Gentoo sind sicher so die mächtigen Administrationsfähigkeiten. Wer neue Software installieren will, kann sie einfach mittels "emerge -s Suchbegriff" im Portage Tree suchen, Wird ein entsprechender Eintrag gefunden, reicht ein "emerge Paketname" um die Software auch wirklich zu installieren. Dass die Suche meist erfolgreich verläuft garantieren mittlerweile mehr als 5.500 ins Portage-System integrierte Programme - die Palette reicht dabei von Kommandozeilentools bis zu RTCW: Enemy Territory.

Weitere Möglichkeiten der individuellen Anpassung bieten die sogenannten...

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USE-Flags

Mittels derer lassen sich Parameter für einzelne Pakete oder auch globale Einstellungen verändern. So können BenutzerInnen von Handhelds Unterstützung für ihre Geräte in allen Paketen aktivieren, wer kein so ein Gerät sein eigen nennt, aktiviert die entsprechende USE-Flag hingegen nicht und bekommt Pakete ohne die nicht benötigte Funktionalität. Auf diese Weise kann zum Beispiel auch festgelegt werden, dass der Webbrowser Mozilla gleich ohne Mail und IRC-Unterstützung erstellt wird.

Zu den momentan noch fehlenden Features in Portage gehört die automatische Auflösung von...

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rückläufigen Abhängigkeiten

also eine Funktionalität, die ohne Zutun der UserInnen das Rekompilieren eines Pakets vornimmt, wen eine von ihm benötigte Library nicht mehr vorhanden ist. Dies geschieht zwar recht selten, denoch wäre eine Integration eines solchen Features sicherlich sinnvoll, auch wenn es bereits mit "revdep-rebuild" ein eigenes Tool zur Lösung des Problems gibt, dieses sollte halt manuell von Zeit zu Zeit aufgerufen werden.

Das Updaten von...

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Konfigurationsdateien

geschieht mittels "etc-update". Dieses zeigt auf Wunsch die Unterschiede zwischen alter und neuer Version an, triviale Änderungen werden auch automatisch vorgenommen. Trotz aller Hilfe ist dies aber sicherlich ein Part der Administration, der Gentoo-Neulingen eher Kopfzerbrechen bereiten wird, mit der Zeit geht dieser Schritt aber recht flott von der Hand.

Bleibt das...

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Fazit

des Test. Während Gentoo Linux für EinsteigerInnen nicht wirklich zu empfehlen ist, bietet es fortgeschrittenen UserInnen eine Fülle an Möglichkeiten das eigene System zu optimieren / immer aktuell zu halten. Besonders positiv hervorzuheben sind dabei neben dem Paketmanager Portage auch die sehr guten - und zahlreichen - Dokumentationen sowie die Gentoo Foren, in denen für fast jedes Problem eine Lösung zu finden ist, und vor allem auch ein für Linux-Verhältnisse angenehm Newbie-freundlicher und wenig überheblicher Ton herrscht. (apo)

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