Das Bereisen ferner Kontinente bringt bekanntlich manchmal Entbehrung mit sich. Ein Verzicht freilich, der nicht immer bewusst, mitunter aber sogar freudig in Kauf genommen wird. Beim Fernsehen zum Beispiel ist es ja meistens so, dass in Hotelzimmern untergebrachte TV-Geräte - sofern überhaupt vorhanden - eher ungeschickt (vornehmlich in zwei Metern Höhe) platziert sind und somit nicht unbedingt zum gemütlichen Verweilen einladen.

Nein, wir wissen nicht, wie singhalesisches Fernsehen funktioniert. Ebenso gleichgültig der Kanuhura-Tourismuskanal auf den Malediven. Der Verzicht war bewusst gewählt, und er erstreckte sich auch auf alles Gedruckte (mit Ausnahme der Speisekarte). Strikt verboten waren auch Internetcafés.

Es war nicht immer leicht. Manchmal waren wir wie ehemalige Trinker, denen jeder Tropfen Alkohol verboten ist, weil sonst Rückfall und Verderben drohen. Deshalb getrauten wir uns auch nicht, den "Sopranos"-Sender HBO einzuschalten. (Gut, einmal, aber ganz kurz.)

Wieder daheim erfolgte (ganz anders als beim Trinker) mit sich langsam steigerndem Konsum die Ernüchterung: Arabella Kiesbauer wirft Gesangstalente raus. Es ist Showzeit, das heißt: Junge Menschen verbreiten gute Laune. Dass der lustige Lockenkopf und der Schwiegermutter-Hemdträger übrig bleiben, war übrigens auch nach mehrwöchiger TV-Abstinenz vorhersehbar. In drei Wochen tut sich nämlich auch abseits von "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" so gut wie gar nichts. (prie/DER STANDARD, Printausgabe vom 14.10.2003)