... Wo Kameras sind, da sind auch Bomben nicht weit. Sie fühlen sich von Kameras magisch angezogen, worauf sich - von der TV-Seite her sicher ungewollt - eine bizarre "Partnerschaft" für die Reichweite ergibt.

Zur Zeit wird diese Erkenntnis im Irak zwar ignoriert; es scheppert an allen Ecken und Enden, ob nun TV-Teams in der Nähe sind der nicht. Das Leben dort ist ungemütlich. Es könnte für polnische Soldaten noch etwas ungemütlicher werden - ihr nicht ganz stressfreier Alltag im Irak soll Gegenstand einer Doku-Soap werden. Der Filmer Wojciech Maciejewski arbeitet derzeit mit vier Filmteams in Bagdad und der polnischen Besatzungszone. Ein tollkühnes Team begleitet Soldaten auf Patrouillengängen; ein anderes ist mit polnischen und amerikanischen Truppen unterwegs, die verdächtige Gebäude durchsuchen.

Bis Jahresende will Maciejewski zwölfeinhalb Stunden Filmmaterial zur endgültigen Auswertung haben. Das Ganze wird unter dem Arbeitstitel babilon.pl erstellt - Camp Babylon ist der Sitz des polnischen Oberkommandos.

Viel Spaß! Wer immer sich mit der Absicht trägt, noch einiges in die Luft zu jagen, der wird wegen dieser Doku Camp Babylon und dessen Bewohnern womöglich jetzt noch mehr Aufmerksamkeit schenken als geplant. Die Gelegenheit, seine bombige "Tätigkeit" einer breiten TV-Öffentlichkeit vorzustellen, will genutzt sein ... (tos/DER STANDARD; Printausgabe, 16.10.2003)