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Guccis güldene Sandalen sind eher nicht als Geldanlage gedacht - Gold steht aber allemal hoch im Kurs

Foto: REUTERS/ Stefano Rellandini

Die Aktienbörsen haben in ihrer Erholung der vergangenen Monate große Konjunkturerwartungen gespiegelt. Aus den Anleihenmärkten ist Kapital abgeflossen. Jetzt werden Warnungen vor "Rückschlägen" immer lauter. Gleichzeitig schrauben die Experten die Renditeerwartungen der klassischen Geldanlagen für die kommenden Jahre herunter. Fünf bis sechs Prozent pro Jahr gelten als sehr gut, mit hohen Schwankungen der Märkte wird gerechnet. Hinter dieser Kulisse prophezeien immer mehr große Namen in ihren Analysen ein Jahrzehnt der Metalle und der Rohstoffe.

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Die Zukunft sieht internationalen Geldexperten zufolge nicht so rosig aus, aber dennoch glänzend. Metallisch glänzend. Denn Rohstoffe sind jetzt vermehrt auf den Empfehlungslisten führender Finanzhäuser zu finden. So rechnet die Deutsche Bank in Zukunft mit niedrigen Erträgen sowohl aus dem Aktien- als auch aus dem Anleihenbereich und sieht vermehrt Gelder in diese Assetklasse fließen. Auch Goldman Sachs und der Schweizer Bankenriese UBS sind längerfristig vom großen Potenzial der Rohstoffe überzeugt.

Die AXA Investment Managers nennen drei Gründe für einen neuen und nachhaltigen Rohstoffaufschwung:

  • Einen riesigen Nachholbedarf aufgrund der zunehmenden Industrialisierung Asiens und Chinas. So ist der Pro-Kopf-Verbrauch an Kupfer bis dato in den USA rund fünfmal höher als in China.
  • Die Zentralbanken fürchten die Risiken einer Deflation, und da die realen kurzfristigen Zinsen in den USA schon negativ sind und auch noch länger bleiben werden, werde damit ein weiterer Goldpreisanstieg gefördert.
  • Das amerikanische Handels- und Haushaltsdefizit werde zu einer anhaltenden Dollarschwäche führen und so weiter die asiatische Nachfrage fördern.

Wenn die Experten "Rohstoffe" sagen, dann meinen sie die gesamte Palette von Getreide, Kaffee, Schweinebäuchen, Energie (Öl, Gas) und Industrierohstoffe bis zu den begehrten Edelmetallen.

Gold befindet sich seit rund drei Jahren im Höhenflug und mit jedem neuen Jahreshöchststand steigt mit der verstärkten Berichterstattung in den Medien auch die Anzahl der "Goldbullen". Gegenwärtig werden auch eine Menge neuer Goldminenfonds aufgelegt. Das ist zwar immer ein Anlass für Rückschläge - gemäß dem Gesetz, das besagt: je mehr Kleinanleger in eine Assetklasse stürmen, desto näher ist der Absturz -, doch sollte man bevorstehende Abkühlungsphasen beim Gold eigentlich zum Kauf nutzen.

Betrachtet man nämlich den großen Zyklus, so ermäßigte sich das Edelmetall innerhalb von 20 Jahren von 850 auf 250 Dollar und hält man die große Wende für wahrscheinlich, so erscheinen die Analysen der meisten Profis auch ermutigend. Diese rechnen mit einem Goldpreis in den nächsten zwölf Monaten von bis zu 480 Dollar. Die Argumente für "goldene" Zeiten: Dollarverfall, Terrorangst, Liberalisierung des Goldankaufs in China, weiter starke Nachfrage aus Indien, vermehrter Rückkauf von Hedge-Positionen der Goldproduzenten und geringe Goldreserven der asiatischen Zentralbanken und sehr geringe Verkäufe der europäischen Notenbanken.

Nullsummenspiel

Aber auch eine Investition in Gold sollte gut überlegt sein. Am sichersten sind jede Form von Barren oder internationalen Goldmünzen. Je größer die Einheit, desto geringer schlagen sich die Prägekosten auf die Performance. Das große Manko dieser Anlage ist das Währungsrisiko; sollte nämlich der Goldpreis auf 450 Dollar je Unze steigen, aber der Dollar parallel um 20 Prozent fallen, wäre es ein Nullsummenspiel.

Goldfonds sind da weit attraktiver und Anleger, die wirklich hohe Volatilitäten aushalten, seien auch Minenaktien empfohlen. Diese sollte man immer limitiert kaufen und immer genug Reserven für Zukäufe parat halten. Das aber in dem Bewusstsein, dass, sollte es zu einem Börsencrash kommen, die Minenaktien meist sogar noch stärker fallen könnten.

Eine Alternative sind Zertifikate auf Gold oder Goldindizes. Die ABN-Amro Bank hat in diesem Bereich die Marktführerschaft. Defensiv ist hier das Gold Open End Zertifikat oder das Gold Quanto Zertifikat, das währungsgesichert ist und daher nicht unter Wechselkursschwankungen leidet.

Wie wenig Anlagekapital noch ins Gold geflossen ist, zeigt unter anderem die Marktkapitalisierung: Alle Rohstoffaktien weltweit sind mit rund zweihundert Milliarden Dollar kapitalisiert. Microsoft alleine dagegen ist an der Börse über dreihundert Milliarden Dollar wert. Geringe Geldflüsse können diesen Markt also schon schnell bewegen - so hat sich Gold in den Siebzigerjahren verzwanzigfacht. Solches ist umso leichter möglich, da der Goldanteil im weltweit durchgerechneten Depot nur 0,7 Prozent beträgt.

Wem Gold schon zu stark gestiegen ist, der sollte einen Blick auf das Silber werfen. Das am häufigsten vorkommende Edelmetall leidet zwar seit 14 Jahren an einem Angebotsdefizit, doch wurde das immer wieder von Notenbanken und durch Privatverkäufe ausgeglichen.

Zurzeit befindet sich dieses aber wieder bei fünf Dollar und somit seit fast 20 Jahren stabil. Die Silbernachfrage steigt jedoch rund fünf Prozent pro Jahr und die Lager sind eigentlich leer. Zur Anlage eignet sich physisches Silber kaum, da der Erwerb in Österreich mehrwertsteuerpflichtig ist. Auch ist die Spanne zwischen An- und Verkaufskursen meist breit. Reine Silberminen sind selten, da das "weiße Gold" zu 75 Prozent als Nebenmetall vorkommt. Längerfristige Anleger sollten auch hier eher zum Open End Zertifikat der ABN-Amro greifen.

Interessanter erscheinen da schon Platin und Palladium. Platin ist das teuerste Edelmetall und wird vor allem von der Fahrzeugindustrie (Katalysatoren) nachgefragt. Aber auch in der Schmuckindustrie ist Platin vor allem in Asien sehr gefragt. Anleger sollten sich hier vor allem der preisbeeinflussenden Faktoren bewusst sein: So stammen 75 Prozent der Weltförderung aus Südafrika. Ein starker Rand (hohe Arbeitskosten) veranlasst Minen, Produktionen zu kürzen, da der Verkaufserlös (schwacher Dollar) reduziert wird. Solche Meldungen von AngloPlat haben den Platinpreis auf ein 23-Jahres-Hoch getrieben.

Metall-Pools

Palladium ist rund zwei Drittel billiger als Platin und wird ebenso in der Katalysatortechnik gebraucht. Palladium hatte im Jahr 2000 ein High bei 1200 Dollar je Unze und Platin handelte bei rund 700 Dollar. Anleger können auch bei diesen Metallen schwer durch Barren oder Münzen partizipieren.

Platinmünzen gibt es leider auch nur mit Mehrwertsteuer und die wenigen Palladiummünzen aus Russland und China wurden durch die Palladiumhausse noch mehr reduziert und werden jetzt zu Liebhaberpreisen gehandelt.

Eine Alternative zu Direktinvestments stellen so genannte Pools dar. Hier kann man z.B. bei Kitco, dem Marktführer im Edelmetallhandel, einen Pool kaufen. Es handelt sich um ein Depot, dem das gekaufte Metall gutgeschrieben wird. Der Rücknahmepreis ist immer der gehandelte Weltmarktpreis und will man wirklich sein Edelmetall erwerben, so wird dies auch geliefert. Laufende Kosten fallen nicht an, das Währungsrisiko bleibt aber bestehen. (Ulrich Baumann, DER STANDARD Printausgabe, 16.10.2003)