Die Kritik von "ZiB"-Journalisten am Chefredakteur der ORF-Fernsehinformation ist nicht neu. Was sie ihm freilich Montagnachmittag in einer Protestnote vorwerfen, fasst ein Teilnehmer der Redakteursversammlung zusammen als "Abrechnung mit dem System Mück". Ein Schreiben gleichen Inhalts ging wie berichtet an Informationsdirektor Gerhard Draxler.

Die Redakteure nützen einen Passus in ihrem Statut, wonach sie ihren Chefs Vorschläge unterbreiten können. Dahinter steht harte Kritik an der internen Kommunikation Mücks: Wenige Tage nach einer Klausur mit einem Teil der "ZiB"-Mannschaftverkündet der Chefredakteur in Zeitungen eine Reform, wie sie mit den Betroffenen nach deren Angaben nicht besprochen war.

"Nicht nachvollziehbar

Wie Mück Themen journalistisch bewertet: Während der Regierungsverhandlungen habe der Chefredakteur bewusst nicht kontroversiell berichten lassen. Kritiker der Verhandlungen – aller beteiligten Couleurs – waren nicht erwünscht, sagt einer aus dem "ZiB"-Team. Für die FP galt das anfangs auch weiter, bis unlängst die Kritik der FP-Chefin der Stadt Salzburg doch eine Geschichte wert war. Interner Kommentar: "nicht nachvollziehbar."

Das gilt nach Ansicht der "ZiB"-Journalisten auch für die Frage, ob die ORF-Nachrichten Themen von Parteien oder Zeitungen aufgreifen. Anlass: Der späte Einstieg in die jüngsten Turbulenzen um Finanzminister Karl-Heinz Grasser.

Strukturfragen: Zu Magazinen versetzte Innenpolitikjournalisten fehlten der "ZiB". Überraschend gewechselte Chefs vom Dienst, fehlende Kontinuität, Zuständigkeiten der aus Mücks Stellvertretern bestehenden Planungsredaktion.

Diskussionsverweigerung: Redaktionskonferenzen wurden abgeschafft, in denen Redakteure ihre Stories mit den Verantwortlichen debattieren können.

Mück wollte Dienstag auf STANDARD-Anfrage nicht auf die Vorwürfe eingehen: "Ich halte mich an die Vertraulichkeit". Antworten werde er bei der Redakteursversammlung der gesamten Fernsehinformation. Die soll sich kommenden Freitag mit den Reformen von "ZiB" und "Willkommen Österreich" befassen. (fid/DER STANDARD, Printausgabe vom 22.10.2003)