Dodo Roscic

Foto: ORF/Friess

Ähnlichkeiten sind rein zufällig und keinesfalls beabsichtigt: Für den ORF muss es beinah schon Tradition sein, TV-Produzenten zurechtzuweisen, die angesichts neuer Sendungen Plagiatsvorwürfe anmelden. Diesmal kommt der Einwurf des Abkupferns aus den Niederlanden. Der Programmdirektor gibt sich gelassen, und auch im Hause Roscic wird man mit den Anschuldigungen gekonnt umzugehen wissen. Dodos Bruder Bogdan, früherer Ö3-Chef, später Plattenboss und im ersten Durchgang als "Starmania"-Juror tätig, kann aus dem Nähkästchen plaudern.

Wiewohl seiner kleinen Schwester dergleichen egal sein wird: In ihrer Welt dreht sich vorläufig alles um Personen und Persönlichkeiten. Samstagabend stellt Dodo Roscic die Frage nach dem "Wer bin ich?" und markiert damit einen Höhepunkt in ihrer ganz persönlichen Jobdescription.

Doroteja Roscic wird 1972 in Belgrad geboren, die Mutter ist Anästhesistin, der Vater Kieferchirurg. 1975 übersiedelt die Familie nach Linz, Dodo mit Matura später in die Bundeshauptstadt.

Roscic ist 25, als sie – nach einem im Eilzugstempo abgeschlossenen Studium der vergleichenden Literaturwissenschaften und Germanistik – Hans Besenböck, Chef des ATV+-Vorvorgängers Wien 1, fürs Fernsehen entdeckt. Weil sie "ein Gespür für den Charme des banalen Alltags" hat, engagiert er sie für seine "Wiener G'schichten".

1998 kommt sie zum ORF, weckt mit Hary Raithofer Ö3-Hörer. Den Verdacht, dass Bogdan, just zu jener Zeit Chef des Senders, seiner Schwester den Wechsel erleichterte, dementiert sie stets leidenschaftlich. Raithofer interessierte sich ganz von sich aus für sie, weil sie "ein grader Michl" sei.

Ihre erste Fernsehshow bekommt sie im Zuge einer Erotikinitiative der Anstalt noch im selben Jahr. Für "Lust auf Liebe" setzt sie sich – ganz ohne geschwisterliche Unterstützung, versteht sich – gegen 20 Mitbewerber durch.

2000 folgt "6 im Sommer". Der Durchbruch gelingt 2002: Den "Big Brother"-Ableger "Taxi Orange" verfolgt Woche für Woche ein Millionenpublikum. Und auch die kurz darauf nachgereichte Fortsetzung erzielt noch beachtliche Quoten.

Roscic steht somit für Innovation im ORF, werkt mittlerweile gar an der Entwicklung "neuer" Formate. Mit dem "Persönlichkeitstest" wagt sie sich dennoch auf einigermaßen glattes Parkett, der Samstagabend gilt für große Shows als unverändert schwierig. Zudem: Die Zeiten am Küniglberg sind härter denn je. Einen Flop kann und will man sich beim ORF angesichts anhaltend schwacher Marktanteile kaum leisten.

Dem "großen Persönlichkeitstest" hat Roscic sich übrigens auch selbst unterzogen. Das Ergebnis dürfte ihrem Arbeitgeber gefallen: "extrem extrovertiert". (DER STANDARD; Printausgabe, 25./26.10.2003)