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Das mit dem Essen und den speziellen Reisesituationen ist so eine Sache. Sentimentalitäten und die Bewältigung von Ausnahmesituationen spielen da nämlich eine ganz besondere Rolle, zumindest bei mir, denn aus Hunger oder Genusssucht verabreicht man sich das Paar Frankfurter oder die Gulaschsuppe im Speisewagen ja sicher nicht, auch greift man wohl nicht zum labbrigen Hamburger, wenn man im Auto Richtung Westen fährt, weil der so super schmeckt – es passt halt irgendwie zusammen, fällt in den Bereich von Situationismus. Und so ist das auch mit der Verpflegung im Flugzeug, finde ich. Erdnüsse und Tomatenjuice, herrlich, eine Kombination, die herunten auf der Erde völlig irrelevant ist (da hab ich, glaube ich, noch nie Tomatenjuice getrunken), im Flugzeug allerdings absolut Ritual; Cracker mit Gervais – sonst eher nein danke, in der Luft indes eine schlichtweg ideale Paarung, sogar Schmelzkäse hab ich im Flugzeug schon genossen, wenn mich nicht alles täuscht.

Gut, Erdnüsse wurden mittlerweile aus Flugzeugen (außer Iberia!) verbannt, weil da eine Wahrscheinlichkeit im Mikro-Promill-Bereich besteht, dass jemand darauf eingehen kann, Cracker hab ich auch schon lange nicht mehr angetroffen, Gervais detto nicht. Tomatenjuice gibt’s einstweilen noch, ab nächstem Jahr kann man dafür löhnen, so wie für Flugzeug-Essen generell. Ob das eine kluge Strategie ist, darf bezweifelt werden, denn nicht nur, dass das Gesamterlebnis Flugzeugreise damit enorm abgewertet wird, als zahlender Konsument stellt man für gewöhnlich auch ein paar Ansprüche an das Bezahlte. Und ich weiß ja nicht, welche Preise sich die Damen und Herren Airliner und Airline-Caterer so vorstellen, aber mehr als € 1,5 wäre ich für den Mist, der einem da in den letzten Jahren gereicht wurde, echt nicht bereit zu bezahlen. Auf Beschreibungen muss im Detail nicht näher eingegangen werden, jeder kennt die grausamen Kreationen aus pampigem/vertrocknetem Reis, pampigem/vertrocknetem Gemüse, sich in Auflösung befindlichem Huhn oder sich in Auflösung befindlichem Rind – nicht zu vergessen die rote oder orange Tunke, in der das alles schwimmt, die zwar vielleicht technischen Nutzen (Garung) hat, wer weiß, sicher aber keinen geschmacklichen. Und die mit ungefähr 76%iger Wahrscheinlichkeit dafür sorgt, dass man eine Reise schon mal mit befleckter Hose antritt.

Die einstmals für ihr Do & Co-Catering so berühmte Lauda stellt da übrigens schon längst keine Ausnahme mehr da, das heute von der AUA-Tochter gebotene hat mit dem Essen von einst kaum mehr was gemein, Unterschiede zum anderswo gereichten Fraß sind nur mit Mühe festzustellen. Lufthansa war meines Wissens die erste Airline, die dazu überging, auf Kurzstrecken nur mehr gefüllte Weckerln zu servieren, die zwar gratis sind, dafür aber ordentlich grauslich. "Eine Palette exquisiter kalter Kleingerichte – vom herzhaften Frühstück, über Lachsbaguette und Griechischen Bauernsalat bis zum zarten Schokoladenmousse", nennt Austrian-Caterer Airest das, was ab nächstem Jahr "zu moderaten Preisen" auf Reisende losgelassen wird. Klingt bedrohlich, aber zumindest hat man die Wahl. Fraglich ist jetzt halt nur, was sich die Airlines als nächste Sparmaßnahme einfallen lassen werden, was sie bei den Pritschen-Fliegern als nächstes abkupfern: keine Zeitungen mehr? keine Filme mehr? Kein Anfliegen des bekanntlich sauteuren Flughafens Wien Schwechat mehr? Ein Vorschlag wäre auch noch, sowohl bei der Sitzpolsterung als auch bei der Dämmung zu sparen, das bringt mehr Platz und somit mehr Geld. Ich kenn mich bei der Kalkulation von Luftlinien wirklich nicht aus, der Verzicht auf Komfort ist aber ziemlich sicher der völlig falsche Weg, um auf den Erfolg von Billigfliegern, deren Preis man dank gigantischem Überbau ohnehin nie einholen wird können, zu antworten. Originelle Verpflegung wär mal was anderes, farbenfroh, bunt, überraschend, lustig, exotisch. Imagegewinn käme im Handumdrehen, denn am Essen wird man gemessen, so primitiv sind wir halt, diverse Spitzenköche ließen sich auch sicher gerne was einfallen, wenn man sie nur fragen würde.