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Präsident Quehenberger feuerte Trainer Söndergaard (Bild): "Ich kann ja nicht 22 Fußballer entfernen"

Foto: Reuters/ Kuzmanovic
Salzburg - So viele Sympathien wie Lars Söndergaard sind noch selten einem eben erst entlassenen Trainer entgegen gebracht worden. Dem Dänen weinten am Mittwoch Abend nicht nur die Zuschauer und Gegner Salzburgs nach, ja sogar bei Rudolf Quehenberger sah man einige Tränen. Doch dem Klubchef des Bundesliga-Letzten bot sich zum "blauen Brief" für Söndergaard keine Alternative, um letztlich vor allem die Mannschaft im Abstiegskampf wach zu rütteln. Vorläufig soll Sportdirektor Peter Assion das Team auf Vordermann bringen.

Kaum eine Stellungnahme der Spieler

Söndergaard blieb auch in der bittersten Stunde während seines insgesamt 40-monatigen Engagements beim ehemaligen UEFA-Cup-Finalisten ganz Gentleman, ein schlechtes Wort zu seiner Truppe war von ihm nicht zu hören. "Auf die Mannschaft bin ich in keiner Weise böse, mit ihnen habe ich ja große Erfolge gehabt." Die Spieler hatten bei so viel Loyalität schon ein schlechtes Gewissen, kaum jemand war nach der schicksalhaften 1:2-Heimniederlage gegen Admira für eine Stellungnahme zum Söndergaard-Abschied zu haben.

"Trainer hat am wenigsten Schuld"

Der gegen die Südstädter wegen einer Verletzung fehlende Heiko Laessig ließ seinen Ex-Coach aber nicht ganz im Regen stehen. "Der Trainer hat am wenigsten Schuld an diesem Schlamassel. Es ist ein Wahnsinn, dass alle für uns spielen, wir diese Situation aber nicht ausnützen können." Der Deutsche ist sich indes schon ziemlich sicher, dass der Absteiger aus dem Trio Salzburg, Kärnten und Sturm kommen wird. "Daher wird es für uns jetzt Zeit, dass wir endlich punkten."

Söndergaard Nachwuchs-Trainer?

Ob Söndergaard im Frühjahr in den für die Abstiegsfrage entscheidenden Wochen noch in der "Mozartstadt" sein wird, ist offen. Der 44-Jährige wird vorerst urlauben, sich Schmankerl wie am Mittwoch den Champions-League-Schlager Bayern München gegen Lyon ansehen und in aller Ruhe über das Angebot von Quehenberger nachdenken. Dessen Offert, dass der Skandinavier den Cheftrainer-Posten in der Salzburger Nachwuchs-Akademie bekleiden kann, steht jedenfalls.

Lobende Worte von Rachimow

Quehenberger denkt da wohl auch daran, dass er Söndergaard noch bis zum Sommer 2005 auf der Gehaltsliste hat. Freilich schätzt er ihn auch menschlich. "Diese Trainer-Entlassung geht mir sehr zu Herzen", meinte er. Sogar Raschid Rachimow hielt eine Brandrede für seinen Kollegen. Nach Schlusspfiff hatte der Admira-Trainer versucht, Quehenberger umzustimmen. "Söndergaard ist ein Mann mit Kopf. Dank ihm war Salzburg im vergangenen Jahr die am besten organisierte Mannschaft Österreichs. So einen Coach zu finden, ist nicht leicht."

"Kopfproblem"

Assion soll dieser Nachfolger jedenfalls nicht sein. Der Deutsche wird nur bis zur Winterpause amtieren, bis dahin will er seinen eigenen Weg finden. "Ich halte nichts vom Gerede von Zuckerbrot und Peitsche", widerspricht er Quehenbergers Ankündigung, dass aber nun mit der Rute gearbeitet werde. "Wir müssen jetzt alle an einem Strang ziehen. Es geht für die Spieler um ihren Job und vor allem um den Verein. Es ist nur ein Kopfproblem. Denn dass sie Fußball spielen können, haben sie schon bewiesen."

Fans versus Klubführung

Assion will die Mannschaft in Einzelgesprächen wach rütteln, um sich schnell vom Tabellenende zu verabschieden. Wenn es aber nicht schon am Sonntag im Heimspiel gegen Sturm Graz mit einem Sieg klappt, wird wohl Feuer am Dach sein. Denn die Fans stehen nach wie vor im Söndergaard-Lager, das haben sie gegen die Admira mit Sprechchören bewiesen. Die Klubführung durfte sich dagegen "Wir haben die Schnauze voll" anhören. (APA)