Bild nicht mehr verfügbar.

Die deutsch-österreichische Schauspielerin und Tänzerin Marika Rökk in einem Archivfoto vom 25.11.1992.
Foto: APA/dpa/Hermann Wöstmann
Wien - Mit viel Temperament und ihrem unverkennbaren ungarischen Akzent wurde das Energiebündel Marika Rökk in den vierziger Jahren als Star unzähliger Operetten- und Musikfilme berühmt. Zu ihren größten Erfolgen zählten u.a. "Maske in Blau" (1953), "Die Frau meiner Träume" (1944) und "Die Csardasfürstin" (1950). Vor fünf Jahren hatte sie ihren letzten Fernsehauftritt, singend und tanzend, versteht sich. Heute lebt sie zurückgezogen in Baden bei Wien, und erhält immer noch Rollenangebote. Am 3. November feierte die Künstlerin ihren 90. Geburtstag.

Stationen einer Karriere

Marie Karoline Rökk, die sich selbst in ihren 1974 erschienenen Memoiren "Herz mit Paprika" als "ehrgeiziges Kind, das Karriere machen wollte" bezeichnete, kam am 3. November 1913 als Tochter ungarischer Eltern in Kairo auf die Welt und wuchs in Budapest auf. Nach der Übersiedlung der Familie nach Paris erhielt sie eine solide Tanzausbildung, und reiste bereits im Alter von dreizehn Jahren als Revuestar durch Europa und Amerika.

Ihre Filmkarriere begann sie in England mit den Filmen "Kiss Me, Sergeant" (1930) und "Why Sailors Leave Home". Danach folgte ein Film in Ungarn mit dem Titel "Kisertetek Vonata - Geisterzug". Ernst Marischka holte die junge Künstlerin schließlich für die Zirkusrevue "Stern der Manege" nach Wien, wo sie von einem Talentesucher der Ufa entdeckt wurde. Die temperamentvolle Ungarin mit dem charmanten Akzent passte genau in das Konzept der deutschen Filmindustrie, die nach der Machtergreifung Adolf Hitlers viele ihrer Stars verloren hatte und wurde neben Johannes Heesters und Zahra Leander zum neuen Star des deutschen Films.

Erfolge im deutschen Film

Ihr erster deutscher Film, "Leichte Kavallerie"(1935), lancierte eine kontinuierliche Karriere, in denen Rökk ihre musikalischen und komödiantischen Talente ausspielen konnte. Rökk avancierte zu einem führenden Star des nationalsozialistischen Deutschland und konnte auf ein bewährtes Team zählen, mit dem sie die meisten Filme drehte. Allen voran der Regisseur Georg Jacoby, den sie 1940 heiratete. Aus dieser Ehe stammt ihre Tochter Gabriele Jacoby. Zu den bekanntesten Unterhaltungsfilme bis Kriegsende gehören "Der Bettelstudent" , "Gasparone", "Es war eine rauschende Ballnacht", "Frauen sind doch bessere Diplomaten" und "Die Frau meiner Träume". Dabei bildete sie zusammen mit dem Schauspieler Johannes Heesters ein "Traumpaar".

Die meist nach dem gleichen Muster gestrickten Filme erfreuten sich großer Beliebtheit und fanden in den 50er Jahren ihre Fortsetzung. Neben "Maske in Blau" oder "Die Fledermaus" spielte die Rökk aber auch in zahlreichen, amerikanisch beeinflussten Musikfilmen. 1962 zog sich die Schauspielerin vom Film zurück und wechselte auf die Bühne, wo sie an Theatern in Hamburg, Berlin, München, Holland und Belgien in diversen Operetten und Musicals lange Aufführungsserien garantierte. In Wien war sie u.a. 1968 im Theater an der Wien in "Hello Dolly", später als "Gräfin vom Naschmarkt" und in Hugo Wieners musikalischem Lustspiel "Die kluge Mama" zu sehen.

Memoiren

Im Jahr 1974 veröffentlichte Marika Rökk unter dem Titel "Herz mit Paprika" ihre Memoiren. Ein schwerer Schlag für die Künstlerin war 1985 der Tod ihres zweiten Mannes Fred Raul. Seit damals lebt sie zurückgezogen in Baden bei Wien. 1992 kehrte die Schauspielerin im Alter von 79 Jahren anlässlich des 110. Geburtstages von Emmerich Kalman auf die Bühne zurück und feierte in ihrer Heimatstadt Budapest als "Gräfin Mariza" - eine Rolle die sie im Lauf ihrer Karriere über 700 Mal verkörpert hatte - noch einmal einen großen Triumph.

In einem Interview sagte sie auf die Frage, was sie denn zu ihrem 90. Geburtstag mache: "Gar nichts. Ich danke nur meinem Herrgott. Ich habe mich mein ganzes Leben lang so angestrengt. Für die Liebe zum Publikum, das mit mir alt geworden ist. Noch heute werde ich auf der Straße erkannt. Neben mir gibt es als namhafte Persönlichkeit ja nur noch Jopi Heesters, glaub ich". (APA)