München - Nach einem Jahr voller Verluste ist die bayerische HypoVereinsbank (HVB), Mutter der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA), durch den Verkauf der Norisbank und operative Fortschritte in die schwarzen Zahlen zurück gekehrt. Im dritten Quartal 2003 erzielte die zweitgrößte deutsche Bank einen Nachsteuergewinn von 294 Mio. Euro (ohne das Geschäft der abgespalteten Hypo Real Estate), nach einem vergleichbaren Verlust von 206 Mio. Euro im Quartal zuvor.

"Wir kommen gut voran, wissen aber, dass wir noch ein gutes Stück Weg vor uns haben", sagte HVB-Chef Dieter Rampl am Mittwoch in München. Der radikale Konzernumbau trage aber zunehmend Früchte.

HVB komplett neu aufstellen

Das Betriebsergebnis betrug im dritten Quartal 623 Mio. Euro. Auch ohne Berücksichtigung des Norisbank-Verkaufs stieg es im Quartalsvergleich um 76 Prozent auf 344 Mio. Euro. Im kommenden Jahr will die HypoVereinsbank ihre Erträge steigern und die Risikovorsorge für Problemkredite weiter zurückfahren.

Nach dem ersten Verlust in der Konzerngeschichte im vergangenen Jahr will Rampl die HVB komplett neu aufstellen. Vor einigen Wochen spaltete das Münchener Kreditinstitut sein Geschäft mit Gewerbeimmobilien komplett ab und brachte die neue Hypo Real Estate an die Börse. Zudem wurden unter anderem die Norisbank und ein 22,5 Prozent-Anteil an der BA-CA über einen Börsengang verkauft.

Positives Nachsteuer-Ergebnis

Mit dem guten dritten Quartal kommt die neue HVB nun in den ersten neun Monaten auf ein positives Nachsteuer-Ergebnis von 99 Mio. Euro nach einem vergleichbaren Vorjahresverlust von 638 Mio. Euro. Ohne den Erlös aus dem Verkauf der Norisbank von 279 Mio. Euro wäre dieses Ergebnis somit noch deutlich negativ gewesen.

Die meisten Ziele für das Gesamtjahr bekräftigte Rampl. "Wir liefern, was wir versprochen haben." Die HVB erwartet weiterhin einen bereinigten Vorsteuer-Gewinn von 300 bis 600 Mio. Euro, in den ersten neun Monaten waren es 396 Mio. Euro. Bei der Stärkung ihrer dünnen Kapitaldecke kommt die Bank schrittweise voran. Die Kernkapitalquote wird nach Angaben von Finanzchef Wolfgang Sprissler bis Jahresende voraussichtlich auf 6,7 bis 6,8 Prozent steigen. Als Ziel hatte Rampl ursprünglich rund 7 Prozent ausgegeben. Zuletzt lag die wichtige Kennziffer bei 6,2 Prozent, zum Jahresanfang waren es 5,1 Prozent.

Risikovorsorge

Die Risikovorsorge soll heuer bei etwa 2,3 bis 2,6 Mrd. Euro liegen. Auch 2004 wird sie wegen der Pleitewelle und der schwachen Konjunktur hoch bleiben. Er rechne mit etwa 2 Mrd. Euro, sagte Sprissler. Dies sei immer noch kein befriedigender Wert. In den ersten neun Monaten 2003 lag das Kreditrisiko bei 1,75 Mrd. Euro.

Auch der Verwaltungsaufwand könne nächstes Jahr leicht zurückgeführt werden. Allerdings verwies Sprißler zugleich darauf, dass die HVB nun vor allem eine Steigerung der operativen Erträge erzielen will.

Deutschland-Geschäft zieht an

Nach Angaben der Bank haben sich die einzelnen Geschäftsfelder im dritten Quartal weiter positiv entwickelt. Das bisher Verluste schreibende Deutschland-Geschäft verbesserte seine operativen Erträge deutlich und erzielte im Zeitraum Juli bis September ein Vorsteuerergebnis von 244 Mio. Euro, nach einem Verlust von 47 Mio. Euro im zweiten Quartal und minus 371 Mio. Euro im dritten Quartal 2002 nach Pro-forma-Rechnung. Allerdings schlägt sich dort der Erlös aus der Veräußerung der Norisbank nieder.

Im Geschäftsfeld Österreich/CEE stiegen die operativen Erträge im dritten Vierteljahr nur wenig auf 106 (Vorquartal: 105) Mio. Euro. Das Vorsteuerergebnis dieser Sparte war wegen eines niedrigeren Finanzanlageergebnisses mit 74 Mio. Euro niedriger als im zweiten Quartal mit 89 Mio. Euro.

Aktien ziehen an

Das Geschäftsfeld Corporates & Markets erzielte mit einem Vorsteuerergebnis von 295 Mio. Euro erneut den höchsten Gewinnbeitrag der drei Bereiche. Dies führt die Bank sowohl auf gestiegene operative Erträge als auch auf eine Halbierung der Risikovorsorge gegenüber dem Vorjahr und gesenkte Verwaltungskosten zurück.

Die Aktien der HVB sind heute nach einem über den Erwartungen liegenden Nachsteuergewinn mit deutlichen Kursgewinnen in den Handel gestartet. Der im Frankfurter DAX gelistete Finanztitel legte um fast 6 Prozent auf 18,53 Euro zu.(APA/dpa/vwd/Reuters)