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"Ende eines Alptraums", kommentierte Andreotti in einer Fernsehshow am Donnerstag.

Foto: REUTERS/Tony Gentile
Rom - Italiens Christdemokraten feiern den letztinstanzlichen Freispruch des ehemaligen Regierungschefs Giulio Andreotti vom Verdacht, Auftraggeber des Mordes an dem Journalisten Mino Pecorelli im Jahr 1979 gewesen zu sein. Die Vorwürfe gegen Andreotti hatten nicht nur den 84-jährigen Senator auf Lebenszeit belastet, der Jahrzehnte lang Italiens mächtigster Politiker war, sondern seine Partei, die Democrazia Cristiana, stark unter Druck gesetzt. Der Freispruch Andreottis gilt daher als "Absolution" für eine ganze politische Gruppierung, die wie keine andere Italien seit der Gründung der Republik zutiefst beeinflusst und geprägt hat. "Endlich ist die Wahrheit ans Licht gekommen"

Kammerpräsident Pier Ferdinando Casini bezeichnete Andreottis Freispruch als Sieg für die vielen ehemaligen christdemokratischen Wähler, die niemals daran geglaubt hatten, dass die Partei vom Auftraggeber eines Mordes geführt worden war. "Nach so viel Leid ist endlich die Wahrheit ans Licht gekommen", kommentierte Casini, Ex-Mitglied der DC.

Die DC, die seit Gründung der italienischen Republik bis 1993 Italien als stärkste Einzelpartei ununterbrochen regiert hatte, war nach unzähligen Korruptionsskandalen aufgelöst worden, in die einige ihrer bekanntesten Spitzenpolitiker involviert waren. Aus ihrer Asche waren mehrere katholische Splitterparteien entstanden. Hochrangige DC-Mitglieder sind vor allem in der Forza Italia des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi und in der katholischen UDC zu finden.

"Wer wird die christdemokratischen Wähler entschädigen, die man glauben lassen wollte, dass die DC eine Verbrecherbande war?"

"Die Richter haben nicht nur Andreotti, sondern die ganze Democrazia Cristiana freigesprochen, die Partei, die 50 Jahre lang Italien regiert hat", betonte der ehemalige christdemokratische Finanzminister Paolo Cirino Pomicino, der zu Andreottis Vertrauensmännern zählt. "Die DC hat eine glorreiche Geschichte hinter sich, die die Opposition durch eine verleumderische Kampagne verschmutzen wollte. Wer wird die christdemokratischen Wähler entschädigen, die man glauben lassen wollte, dass die DC eine Verbrecherbande war?", fragte Pomicino. Andreotti zählte zu den mächtigsten Politiker der aufgelösten DC.

Andreotti: "Ende eines Alptraums"

Andreotti, der am Donnerstagabend kurz nach dem Freispruch als Stargast der von RAI 1 gesendeten Polit-Show "Porta a Porta" aufgetreten ist, sprach von dem "Ende eines Alptraums". "Ich habe niemals das Vertrauen in die Justiz verloren. Ich habe ein zehn Jahre langes Verfahren aushalten müssen. Jetzt hoffe ich, noch weitere zehn Jahre vor mir zu haben, um mich zu erholen", betonte Andreotti. Das italienische Justizsystem habe zwar viele Mängel, es funktioniere im Endeffekt doch, betonte der Politiker.

Einspruch im Verfahren um Mafia-Zugehörigkeit

Die Justizprobleme Andreottis sind jedoch nicht ganz zu Ende. Die Staatsanwälte von Palermo, die seit zehn Jahren die Untersuchung gegen den Senator auf Lebenszeit führen, reichten am Donnerstag dem Kassationsgericht Einspruch gegen den Beschluss des Berufungsgerichts der sizilianischen Hauptstadt ein, das im vergangenen Mai den Politiker vom Vorwurf der Mafia-Zugehörigkeit freigesprochen hatten. Der Einspruch stützt sich auf einige Verfahrensfehler, die laut den Ermittlern im Beschluss des Berufungsgerichts von Palermo enthalten sind. Sollte das Kassationsgericht Andreotti erneut freisprechen, hätte er seine Probleme mit der Justiz definitiv gelöst. (APA)