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Foto: APA/Parigger
Hamburg - Auf Friedhöfen gibt es im allgemeinen Wissen kaum präsentes Problem: In 30 bis 40 Prozent der Gräber verwesen die Leichen nicht mehr, weil es den Böden an Wasser- und Luftdurchlässigkeit fehlt. Darauf wies der Bodenkundler Rainer Horn von der Kieler Christian-Albrechts-Universität am Mittwoch auf einer Fachtagung zur Friedhofsbewirtschaftung in Hamburg hin.

Die Reinigung verseuchten Bodens und die notwendigen Umbestattungen belasteten die ohnehin knappen Gemeindekassen zusätzlich. "Auf Dauer kommen hohe Kosten auf die Kommunen zu", prognostizierte Horn.

Umweltprobleme

Folge mangelnder Verwesung seien so genannte Wachsleichen, sagte Horn. Sie entstünden insbesondere durch Sauerstoffmangel. "Wo Bakterien im Boden fehlen, ist der natürliche Verwesungsprozess verlangsamt, und die Körper der Toten werden eher konserviert als zersetzt", erklärte der Experte. Sie seien teilweise selbst nach 30 Jahren noch "vollständig erhalten".

Gleichzeitig würden die Leichen zu einem Problem für die Umwelt: Alleine die Stickstoffbelastung des Bodens sei bis zu zehn Mal höher als auf einem landwirtschaftlich intensiv genutztem Feld. Auch Schwermetalle wie das Amalgam der Zahnfüllungen belasteten die Böden. "Dabei müsste man sich fragen, ob ein Friedhof nicht eigentlich eine Deponie ist", sagte Horn. (APA)