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Franco Corelli 1997 beim "Fest der Tenöre für Franco Corelli" in Wien

Foto: APA/Herbert Pfarrhofer

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Franco Bonisolli

Foto: Archiv
Wien - Der italienische Operntenor Franco Bonisolli, lange Jahre über ein sentimentaler Liebling des Wiener Staatsoprenpublikums, ist in der Nacht auf Donnerstag im Alter von 65 Jahren gestorben, meldete die ORF-Hörfunk-Kulturredaktion. Am Mittwoch war schon sein berühmter Bühnenkollege Franco Corelli 82-jährig in Mailand gestorben.

"Manrico"

Bonisolli, geboren am 25. Mai 1938 in Rovereto in Norditalien, war seit 1968 Mitglied der Wiener Staatsoper, wo er Kammersänger war und insgesamt 187 Mal auftrat.

Entdeckt wurde der Heldentenor vom Komponisten Gian Carlo Menotti, der ihn 1963 einlud, den Prinzen in "L'Amour des trois Oranges" bei den Festspielen von Spoleto zu singen. 1968 debütierte er in Wien, 1970 an der Metropolitan Oper in New York. Gastauftritte in zahlreichen europäischen und amerikanischen Städten, unter anderem an der Mailänder Scala und der Oper in Rom folgten.

Die Rolle, die der Tenor in Wien am häufigsten verkörperte, war die des "Manrico" in Verdis "Il Trovatore". Seinen Abschied von der Staatsoper nahm er am 14. Februar 2000 - in eben diesem Part.

1986 wurde er vom damaligen Staatsoperndirektor Egon Seefehlner zum österreichischen Kammersänger ernannt. 1991 zog Bonisolli sich unerwartet vom Bühnenleben zurück, um 1999 schließlich wieder sein Comeback zu feiern.

"Prinz der lyrischen Oper"

Rom - Der italienische Tenor Franco Corelli war einer der weltweit am meisten gefeierten, gleichzeitig aber auch einer der schwierigsten Sänger. Seine Stimme hatte eine so außergewöhnliche Variationsbreite, dass sie als eine der kraftvollsten und voluminösesten des vergangenen Jahrhunderts galt. Der Sänger, der auch an der Wiener Staatsoper für Sternstunden sorgte, starb am Mittwoch im Alter von 82 Jahren in einem Spital in Mailand. "Der Prinz der lyrischen Oper ist tot", titelte die Zeitung "Il Messaggero".

Metro statt Schiffe

Der am 8. April 1921 in Ancona geborene Tenor wollte ursprünglich Schiffsbauingenieur werden. Der 1950 gefeierte Sieg im Gesangswettbewerb des Maggio Musicale Fiorentino veränderte sein Leben. Corelli debütierte 1951 in Spoleto als Don Jose in Bizets "Carmen".

Der internationale Durchbruch gelang ihm 1954 in Mailand an der Seite von Maria Callas. Nach Auftritten im Covent Garden in London und in der Arena di Verona sang Corelli 1961 erstmals an der New Yorker Metropolitan Opera, wo er bis 1975 368 Mal auftrat. Unvergessen ist vor allem sein Auftritt als Kalaf in Puccinis "Turandot" unter Leopold Stokowski. Er sang mit den größten Diven seiner Epoche, von der Callas über Birgit Nilsson bis zu Elisabeth Schwarzkopf.

Österreich-Bezüge

An der Wiener Staatsoper trat Corelli insgesamt 35 Mal auf: Er debütierte am 15. Mai 1957 als Radames in Verdis "Aida". Er war der Andrea Chenier der Neuinszenierung 1960 (mit Renata Tebaldi als Partnerin), als Manrico in "Il Trovatore" unter der Leitung von Karajan (1963), der "Don Carlos" in der Regie von Otto Schenk (1970) unter Horst Stein mit Gundula Janowitz, Shirley Verrett, Edita Gruberova, Nicolai Ghiaurov, Eberhard Waechter und Martti Talvela als Partner. In dieser Rolle war er im Haus am Ring mit elf Mal auch am häufigsten zu hören.

In Wien sang er auch Cavaradossi, Kalaf oder den Triddu der "Cavalleria rusticana". Bei den Salzburger Festspielen war Corelli in der glanzvollen Vorstellungsserie von "Il Trovatore" unter Karajan mit Leontyne Price und Giuletta Simionato zu hören.

1976 nahm der Sänger seinen Abschied von der Opernbühne. In der Folgezeit trat er regelmäßig bei Fernseh-Konzerten in Europa und den USA auf und gab Liederabende mit Renata Tebaldi. Anfang der achtziger Jahre stellte er schließlich auch seine Konzerttätigkeit ein.

1997 war Corelli, der 1974 sein letztes Wiener Konzert gab, bei einem "Fest der Tenöre" im Wiener Austria Center zwar auf der Bühne erschienen, hatte dann aber doch nicht gesungen. Stattdessen nahm er unter dem Jubel des Publikums das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse entgegen.

Im August 2003 war er im Krankenhaus behandelt worden, nachdem er vermutlich einen Schlaganfall erlitten hatte. Der Radiosender Ö1 ändert in memoriam Corelli sein Programm und sendet am Samstag (1.11., 19.30 Uhr) statt "Fidelio" Verdis "Il Trovatore" in der umjubelten Aufführung der Salzburger Festspiele unter Herbert von Karajan. (APA)