Brüssel/Wien - In einigen Mitgliedstaaten sei "eine Überprüfung der Einstellungsstrategien und der Bestellungsverfahren" für Frauen im Forschungssektor "dringend erforderlich", fasst der jüngste EU-Bericht über Frauen in wissenschaftlichen Berufen zusammen. Zu diesen Ländern gehört auch Österreich.

Obwohl nach den Mitte der Woche präsentierten Schlüsseldaten ("She Figures 2003") in Europa 40 Prozent der Dissertationen auf Frauen entfallen, gibt es in staatlichen und universitären Einrichtungen nur 34 Prozent Forscherinnen, in Unternehmen lediglich 15 Prozent. In sechs Mitgliedstaaten sind weniger als zehn Prozent der führenden akademischen MitarbeiterInnen Frauen. Die Daten spiegeln eine Analyse der Jahre 1999 bis 2001.

Auf den oberen Etagen nicht Neues

Der Frauenanteil in der obersten Hierarchie der Unis beträgt im EU-Schnitt 13,2 Prozent, in Österreich und den Niederlanden nur rund sechs Prozent. Bei den Spitzenpositionen in den Ingenieurswissenschaften liegt Österreich überhaupt an letzter Stelle, hier beträgt der Frauenanteil 1,7 Prozent.

Nur 6,4 Prozent aller Akademikerinnen in der EU erreichen die obersten Plätze in wissenschaftlichen Einrichtungen, bei Männern sind es 18,8 Prozent, dreimal mehr.

"Zu wertvoll"

Frauen scheinen auch von der Teilnahme an wissenschaftlichen Gremien ausgeschlossen zu sein: In acht Mitgliedstaaten sind unter 25 Prozent der Mitglieder solcher Gremien Frauen - 6,6 Prozent in Luxemburg, 10,3 in Belgien und 11,8 in Österreich.

"Forscherinnen sind eine zu wertvolle Ressource, als dass man sie verschwendet", kommentierte EU-Forschungskommissar Philippe Busquin, "wir können es uns nicht leisten, dieses intellektuelle Potenzial zu verlieren". (fei, D ER S TANDARD , Print-Ausgabe, Fr./Sa./So., 31. Okt./1./2. November 2003)