Budapest - "In ungarischen Spitälern werden doppelt so viele Amputationen durchgeführt wie im westeuropäischen Schnitt", berichtete die ungarischen Tageszeitung "Magyar Nemzet" in ihrer Donnerstagausgabe. Pro 100.000 Einwohner berechnet beträgt die Zahl solcher operativer Eingriffe in Ungarn 65 - gegenüber nur 30 in Westeuropa. Die Hälfte der jährlich rund 6.500 Amputationen betrifft nach Angaben des Landesinstitutes für Medizinische Rehabilitation die Entfernung der Finger, danach folgen untere Gliedmaßen.

80 Prozent der Amputationen werden durch verschiedene Gefäßkrankheiten verursacht, 17 Prozent durch Unfälle, die restlichen drei Prozent durch Tumore, Entzündungen oder andere Krankheiten. Lajos Kullmann, der Medizinische Direktor des Landesinstitutes für Medizinische Rehabilitation, macht in erster Linie die Lebensweise der Ungarn - vor allem das Rauchen - für die auffällige Häufigkeit von Amputationen verantwortlich. Auch würden Anzeichen von Krankheiten nicht ernst genommen und Ärzte oft viel zu spät konsultiert.

Eine Mitverantwortung des Gesundheitswesens für die zu häufigen Amputationen unterstreicht Istvan Biczo, der Präsident einer Stiftung der Zuckerkranken, dem beide Beine amputiert wurden. Reihenuntersuchungen von Diabetikern und das Monitoring des Blutzuckerspiegels seien in Ungarn nicht ausreichend gegeben. Laut Biczo stehe zwar ein Medikament zur Verfügung, das schwere Nervenschäden und somit Amputationen verhindern könne. Doch angesichts des hohen Preises und der ausbleibenden Unterstützung der Sozialversicherung würden nur wenig Kranke in Ungarn davon profitieren können. (APA)