Flensburg - Motor- oder Lenkprobleme, Mängel an den Bremsen, defekte Zündungen: Jahr für Jahr steigt die Zahl der Rückrufaktionen der Autobauer. Das deutsche Kraftfahrtbundesamt zählte für 2002 allein 127. Damit hat sich die Zahl der Rückrufaktionen, bei denen die Flensburger Behörde eingeschaltet wurde, binnen zehn Jahren mehr als verdoppelt. 1992 waren es nur 52 gewesen.

Diese Rückrufaktionen sind jedoch nur die Spitze des Eisberges. Denn das Kraftfahrtbundesamt wird nur informiert, wenn ein Autobauer keine andere Wahl mehr hat und dort die Adressen der aktuellen Fahrzeughalter abfragen muss. Bei Neuwagen laufen Rückrufaktionen dagegen in der Regel allein über den Hersteller, weil dieser aus dem Verkauf noch über die Kundendaten verfügt und die Besitzer selber anschreiben kann. In der offiziellen Statistik tauchen diese Fälle deshalb nicht auf.

Streit über Grund

Über den Grund für immer mehr Rückrufe wird gestritten. Viele Fachleute sehen die Schuld bei zunehmender Elektronik, die in Autos gepackt wird. Das Center Automotive Research an der Fachhochschule Gelsenkirchen schätzt, dass die Hälfte der Rückrufe wegen Elektronik- oder Softwareproblemen erfolgt. Laut Kraftfahrtbundesamt waren 2002 aber nur 17 der 127 registrierten Rückrufe auf Elektronikfehler zurückzuführen. Der Rest war mechanischer Natur, wie etwa die unzureichende Befestigung von Anhängerkupplungen oder Hinterachsen. Bei den nicht erfassten Neuwagen dürfte der Elektronik-Anteil aber auch laut Bundesamt höher liegen.

Daneben gibt es auch rechtliche Gründe für mehr Rückrufe. Weltweit unterliegen Autobauer heute schärferen Bestimmungen zur Produktsicherheit. In Deutschland trat im August 1997 das Produktsicherheitsgesetz in Kraft. Hersteller sind danach verpflichtet, schon beim Verdacht auf Sicherheitsmängel zu reagieren, und nicht erst, wenn bereits Schäden aufgetreten sind.(APA)