Jerusalem - Das IKRK stellt seine Nahrungsmittelhilfe für die Bevölkerung im Westjordanland ein. Die Hilfsorganisation könne eine Aufgabe, die der Besatzungsmacht Israel zustehe, nicht mehr weiterführen, hieß es am Donnerstag am IKRK-Sitz in Jerusalem.

"Es ist nicht Aufgabe des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) die palästinensische Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln zu versorgen", erklärte der IKRK-Vertreter Vincent Bernard. Die übrigen Tätigkeiten der humanitären Organisation seien von dieser Entscheidung nicht betroffen.

Noch keine Reaktion der israelischen Behörden

Die israelischen Behörden haben noch nicht auf die Entscheidung reagiert, die seit Frühling 2002 laufende Hilfe auf Mitte November einzustellen. Im März 2002 hatte die israelische Armee auf einen blutigen palästinensischen Anschlag in der israelischen Küstenstadt Netanya mit einer größeren Militäroperation reagiert.

"Allgemeine Verarmung"

Die Ausgangsperren, Straßenblockaden und die Abriegelung von Städten im Westjordanland hatten zu einer allgemeinen Verarmung geführt. Das IKRK startete deshalb Nahrungsmittelhilfe, die eigentlich nicht Teil ihrer traditionellen Aufgaben im Nahen Osten ist.

"Das IKRK hat nun während rund eineinhalb Jahren auf ein Notsituation reagiert, nun ist es an der Besatzungsmacht, dieser Verpflichtung gemäß Genfer Konventionen nachzukommen", erklärte der IKRK-Vertreter. Die 4. Genfer Konvention verlangt von der Besatzungsmacht während eines Krieges den Schutz der Zivilbevölkerung.

"Das IKRK kann langfristig nicht auf eine wirtschaftliche Krise reagieren", sagte Bernard weiter. Mit Nahrungsmittelhilfe könne man diese auch nicht lösen.

Verteilung von Mehrl, Öl und Zucker sowie Gutscheine

Die Hilfe, die nun eingestellt werden soll, besteht aus der Verteilung von Mehl, Öl und Zucker in den ländlichen Gebieten. In den Städten werden Gutscheine in der Höhe von 90 Dollar für den Kauf von Grundnahrungsmitteln in ausgewählten Lebensmittelgeschäften ausgeben.

Im vergangenen Jahr belief sich die Nahrungsmittelhilfe für die palästinensische Bevölkerung auf 34 Millionen Dollar. In diesem Jahr hat sie bereits 54 Millionen erreicht.

Versorgung von 10 Prozent der Bevölkerung

Dieses Geld erlaubt es dem IKRK rund 300.000 Menschen zu ernähren, was etwa 10 Prozent der palästinensischen Bevölkerung entspricht. Das IKRK ist damit der wichtigste Verteiler von Lebensmitteln in diesen Gebieten.

Im Gaza-Streifen wird die Hilfe vom UNO-Hilfswerk für die palästinensischen Flüchtlinge (UNRWA) getragen, mit dem das IKRK weiterhin zusammenarbeiten wird. (APA/sda)