Rafael Reig, Überall Blut.

Aus dem Spanischen von Susanna Mende.

€ 15,40/ 221 Seiten,

Rogner & Bernhard bei Zweitausendeins, Frankfurt/Main 2003

Foto: Rogner & Bernhard
Was für ein klassischer Beginn: der heruntergekommene, saufende Detektiv sitzt in einer vergammelten Bude und bekommt den Auftrag, eine davongelaufene Schülerin zu suchen. Allerdings spielt das Ganze in der Zukunft, einer ziemlich grässlichen und gewalttätigen sogar und Madrid hat sich wahrlich nicht zu seinem Vorteil verändert. Es gibt ein Regime, in dem man bestraft wird, wenn man ein behindertes Kind austrägt, große Konzerne machen Genexperimente mit Menschen, und außerdem hat die USA Spanien annektiert, nachdem die Kommunisten die Wahlen gewonnen haben. Das Ölzeitalter ist vorbei und Englisch die verordnete Staatssprache.

So schaut's aus in der wunderbaren neuen Welt des spanischen Schriftstellers mit bewegter Biografie. Rafael Reig hat allerdings weder Gesellschaftskritik noch ausufernde technische Spielereien im Sinn, wenn er seinem seltsamen Text einen flüchtigen Sciencefiction-Anstrich verleiht. Er lässt seinen Helden und Icherzähler bloß das tun, was Detektive üblicherweise machen: Leute und Zusammenhänge suchen. Eine der Frauen, die Carlos Clot finden soll, ist eine Figur aus einem Groschenroman. Eigentlich ein unsinniges Unterfangen, denn es ist ja ganz unwahrscheinlich, dass Carlos dieses Busenwunder je aufstöbert. Wie jedermann weiß, machen sich doch nur Figuren aus der "ernsthaften" Literatur aus dem Staub, um ein eigenes Leben zu führen.

Reig macht sich nicht nur über die willkürlichen Kategorien der U- und E-Literatur lustig, er spielt mit Krimiklischees und Zitaten und fügt alles zu einem patchworkartigen Verlauf zusammen - eine postmoderne Kreativwerkstatt. Und als der Held sich in den Kopf einer bei einem Zaubertrick zersägten Frau verliebt, der der Körper abhanden gekommen ist, also, das ist schon sehr tarantinomäßig. Auf jeden Fall dürfte von Rafael Reig, Herausgeber der Zeitschrift Crazy Virgins (was immer das ist) noch allerhand Originelles zu erwarten sein. Dass er immerhin schon für einen spanischen Literaturpreis nominiert wurde, zeugt von der Unvoreingenommenheit der Nominierenden.