Bogota - Die Hoffnungen auf eine baldige Freilassung der seit rund sechs Wochen in Kolumbien verschleppten sieben westlichen Geiseln haben am Donnerstag wieder einen Dämpfer erhalten. Wie einer der Unterhändler, Bischof Luis Alberto Giraldo, mitteilte, weigert sich die linksgerichtete Guerilla Nationales Befreiungsheer (ELN), die Geiseln gemeinsam freizulassen. Sie wollten zunächst nur die aus dem Baskenland stammende spanische Geisel übergeben, sagte der Bischof nach einer Unterredung mit dem ELN-Sprecher Francisco Galan, der derzeit im Hochsicherheitsgefängnis von Itagui einsitzt.

Der Unterhändler sah deshalb kaum noch eine Chance, dass die Geiseln bereits in der kommenden Woche freikommen könnten, wie es die ELN zuvor angekündigt hatte.

ELN-Rebellen hatten am 12. September acht Rucksacktouristen - neben dem Spanier eine Deutsche, vier Israelis und zwei Briten - in der Nähe der historischen Ruinenstadt Ciudad Perdida entführt. Einer der beiden Briten konnte fliehen. Mit der Geiselnahme will die Guerilla nach eigenen Angaben auf die Not verarmter Bauern in der Sierra Nevada de Santa Marta im Norden Kolumbiens und ihre Drangsalierung durch Soldaten und ultrarechte Paramilitärs hinweisen.

Erst am Dienstag war in die Gespräche Bewegung gekommen, nachdem Präsident Alvaro Uribe die Bedingungen der ELN-Guerilla akzeptiert hatte, die die Geiseln einer Delegation aus Vertretern der Kirche, der UNO und der Guerilla aushändigen wollten. Laut dem Bischof verlangen die Rebellen nun eine unabhängige Untersuchung der humanitären Situation in der Sierra Nevada, bevor sie nach dem Spanier auch die restlichen sechs Entführten freilassen. (APA)