Venedig - Es sei nicht die erste und sicher nicht die letzte Zusammenarbeit zwischen den Gallerie dell' Accademia und dem Kunsthistorischen Museum Wien (KHM), meinte Giovanna Nepi Scire vom traditionsreichen Haus in Venedig und Kuratorin der frisch eröffneten "Giorgione"-Ausstellung. Zwei Schlüsselwerke des geheimnisumwobenen, früh verstorbenen Renaissance-Künstlers stammen aus dem KHM, von März bis Juni werden im Gegenzug zwei Werke aus dem Besitz der Accademia in einer Giorgione-Schau in Wien zu sehen sein.

Eine Giorgione-Ausstellung stelle immer eine Besonderheit dar. Nicht mehr als 25 gesichterte Werke sind überhaput bekannt, und zumeist so empfindlich, dass sie nur im seltesten Fall verliehen werden können. Anlass für die Schau in Venedig sei die Restaurierung der "Madonna in trono con il Bambino", berichtete Nepi Scire. Das aus dem Castelfranco in Venedig stammende Bild erstrahlt nach der sorgfältigen, aber behutsamen Restaurierung wieder in seinen wertvollen Farben.

Im Zentrum

Als Herzstück eines Ausstellungsraums mit Werken von Giorgiones Zeitgenossen sind die anderen acht Bilder in Wände eingelassen hinter Glas zu betrachten. Karl Schuetz, Direktor der Gemäldegalerie des KHM, zeigte sich begeistert von dieser Präsentation, die es zulässt, der Maloberfläche sehr nahe zu kommen.

Ein Schlüsselwerk ist das Gemälde "Tempesta", mit welchem Giorgione auf die Moderne hinaus weise, so Schuetz. Es illustriert nicht ein vorgegebenes Thema, sondern erfindet selbst eine Geschichte, die den Forschern bis heute Rätsel aufgebe. Diese Freiheit habe bis dahin nur die Dichtkunst gekannt, so Schuetz.

Eingebettet wird "Tempesta" von der höchst empfindlichen Zeichnung "Figura in un paesaggio", die aus dem Boijmans van Beuningen Museum in Rotterdam ausgeliehen werden konnte. Nur einige Stunden am Tag bietet sich so der Vergleich in der Landschafts- und Figurenbehandlung mit "Tempesta" und dem aus Wien geliehenen "Tre filosofi", welches auch den Katalogumschlag schmückt.

Auch in Wien werden "Tempesta" und "Tre filosofi" gemeinsam zu sehen sein, ebenso die "Vecchia" neben der "Ritratto femminile (Laura)". Die "Laura", das Bildnis einer jungen Frau, ist das zweite aus dem KHM nach Venedig verliehene Bild.

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Sylvia Ferino-Pagden, Kuratorin der KHM-Schau in Wien, kann mit vier sicher zugeschriebenen und zwei vermutlich von Giorgione stammenden Werken im Besitz des KHM auf die umfangreichste Sammlung überhaupt zurückgreifen. Neben den beiden Werken aus Venedig werden aber auch aus Berlin, Washington und den Uffizien in Florenz je ein Bild nach Wien reisen. Noch mehr Giorgione verspricht sie für das Jahr 2006: Dann soll bei einer großen Ausstellung über "Venezianische Malerei 1500 - 1530" in Kooperation mit der National Galery of Art in Washington neben Bellini und Tizian auch Giorgione zu sehen sein. (APA)