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Niki Lauda im Cockpit einer Boeing 777-200

Foto: EPA/DPA/Hesse
Angesichts einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz verdichten sich die Anzeichen, dass Niki Lauda die Österreich-Tochter der insolventen Aero Lloyd übernimmt. Seine bisherigen wirtschaftlichen Erfolge als Airliner waren jedenfalls alles andere als berauschend.

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Wien - Exrennfahrer Niki Lauda will noch diesen Winter mit der Österreich-Tochter der insolventen Aero Loyd wieder abheben. Sollte er den Zuschlag bekommen, will Lauda, heute, Mittwoch, über seine Pläne berichten.

Der Zeitdruck sei deshalb so hoch, da die großen Reiseveranstalter auf die Erfüllung ihrer bestehenden Verträge pochen, erklärte Lauda dem STANDARD: "Der Hut brennt." Zur Frage, wie er sein Comeback in der Luftfahrt finanzieren wolle, gab Lauda keine Auskunft. Dies sei noch "völlig offen". Er lasse sich dies- bezüglich erst in die Karten schauen, wenn das O.K. vom deutschen Insolvenzgericht gekommen sei.

"Privat Geld aufstellen"

In Bankkreisen hieß es, Lauda werde nicht den klassischen Bankweg über eine Kreditfinanzierung gehen, sondern "privat Geld aufstellen", sprich über vermögende Freunde und frühere Geschäftspartner eine Beteiligungskonstruktion finden, bei der er selbst möglichst wenig Geld in die Hand nehmen muss.

Seine bisherige Laufbahn als Airliner war alles andere als wirtschaftlich erfolgreich: Bereits die Gründung der Lauda Air I, 1979, stand wirtschaftlich unter keinem guten Stern. Um Geld für die zwei Fokker-27-Maschinen zu bekommen, legte Lauda Verlustbeteiligungen auf, die in Folge ihrem Namen Ehre machten. Der finanzielle Erfolg blieb bescheiden, weil Lauda, wie er nachträglich erkannte, mit den Maschinen am Markt vorbei geflogen war. Das Verkehrsministerium verlangte damals 43 Mio. S (3,12 Mio. Euro) an frischem Kapital, andernfalls würde Lauda die Fluglizenz entzogen werden. Die Erste Bank, damals Hausbank, musste die Maschinen verkaufen.

Zweiter Versuch 1984

Nach diesem ersten Flugversuch wagte es Lauda 1984 erneut als Flugunternehmer. Zu Laudas Weggefährten zählte zu Beginn Basile Varvressos, dem die Lufthansa später seine Lauda-Beteiligung abkaufte. Doch das bewahrte ihn nicht davor, mit seinem Reisebüro ITAS Pleite zu machen. Zu Laudas wirtschaftlichen Begleitern gehörte auch der als Banker gescheiterte Michael Lielacher. Lielacher war es, der für die Erste Bank den Börsegang von Lauda durchboxte. Er sicherte Lauda damals 450 Mio. S über die Ausgabe von Stammaktien und Partizipationsscheinen. Für eine Fluglinie, die bis dahin keine Gewinne erwirtschaftete, eine stolze Summe.

1991 stürzte die "Mozart" mit 230 Menschen am Bord ab. Die Versicherung zahlte, und Boeing schickte umgehend einen neuen Flieger. Auch die Lufthansa unterstützte Lauda immer wieder im Kampf gegen die AUA. Anfang der 90er steckten die Deutschen jährlich 20 Mio. DM (zehn Mio. Euro) in die Lauda Air, um die AUA herauszufordern. 1997 schließlich stieg die AUA mit zunächst 36 Prozent bei Lauda Air ein. Im Jahr 2000 lag der Verlust bei 1,3 Mrd. S. Als bekannt wurde, dass die Airline keine Substanz mehr hatte, eskalierte der Konflikt zwischen AUA und Lauda. Lauda hatte, ohne Wissen des Aufsichtsrates über Sale und Lease Back die Flieger und damit die letzten stillen Reserven verkauft. 2001 übernahm die AUA alle Lauda-Air-Anteile und gab dem Gründer 16,1 Mio. Euro. (Claudia Ruff, Michael Bachner, DER STANDARD Printausgabe, 5.11.2003)