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Manet und Freunde im Prado

Foto: APA/EPA/TORRENTE

Madrid - Prado, Reina Sofia und das Thyssen-Bornemisza: Die drei großen Museen Madrids können sich dank ehrgeiziger Zubauprojekte im kommenden Jahr über mehr Platz freuen.

Der Museenausbau ist Anlass, den Tourismus anzuheizen. Vorbuchbare Museums-Tickets, eine eigene "Madrid-Card" mit Vergünstigungen für 42 Museen, öffentlichen Verkehr und Einkaufsräusche sowie die weitergehende Präsentation der spanischen Hauptstadt als Kulturzentrum soll für vermehrtes Interesse sorgen und zu den spanischen Küsten oder der Gaudi-Stadt Barcelona aufschließen, hoffen die Tourismus-Verantwortlichen. Die Eintritts-Preise der Museen sind im internationalen Vergleich moderat, drei Euro etwa für ein normales Ticket im Prado, sechs Euro bei Vorreservierung.

Omnipräsenter Flötenspieler

Drei Bauten wird etwa der Prado dann bespielen können, neben dem altehrwürdigen Haupthaus einen gerade im Entstehen begriffenen unterirdischen Bau (mit drei Stockwerken für Wechselausstellungen und zwei Lagergeschoßen) sowie das benachbarte Heeresmuseum. Derzeit ist im prunkvollen "Wiesen"-Museum die größte Manet-Ausstellung seit 20 Jahren, "Manet en el Prado", zu sehen.

"Manet. Paris, Frankreich. Künstler". So trug sich der französische Maler Manet (1832 bis 1883) im September 1865 ins Gästebuch des Prado in Madrid ein, wo er vor allem sein großes Vorbild Velazquez studierte. Bis 11. Jänner sind nun 110 Werke, darunter 58 Gemälde, zu sehen, die des Malers spanische Einflüsse und seine eigenständige Entwicklungen in Richtung moderner Kunst beleuchten.

Die Annäherung an Manets Werk wird wörtlich genommen: Zur Sonderausstellung wandelt man durch die zentrale Prado-Galerie, wo je ein Werk Manets - wie der ganz Madrid auf dem Ausstellungsplakat zierende Flöte spielende Knabe - mit seinen spanischen Vorbildern Ribera, Murillo, Velazquez und Goya konfrontiert wird, deren Gemälde Manet zum Teil am selben Ort begutachtet hat.

Vis-a-vis des Palmenhauses

Verschwenderischen Platz bietet die Reina Sofia gegenüber dem zum schönen Palmenhaus umgewandelten Atocha-Bahnhof schon jetzt. Mit dem derzeit im Entstehen begriffenen Zubau bietet das Museum ein fast übermächtiges Raumangebot, wie sich europäische Journalisten bei einem Lokalaugenschein im herbstlichen Madrid überzeugen konnten.

Pausierende Kulturinteressierte werden so manchen Cafe con leche unter den Bahnhofs-Palmen konsumieren, um Kraft für die nächste Museumsabteilung zu sammeln. Auch abseits des Museumshighlights, Picassos "Guernica", bietet das Haus eine gewaltige Sammlung von toll gehängten Werken, die sich nicht nur auf die Lokalgrößen Dali, Miro und Picasso beschränkt.

Barocke Köder

Publikumswirksam wie alles, was mit Barock zusammenhängt, präsentiert sich schon derzeit eine umfassende Ausstellung in den Königspalästen von Madrid und dem nahe gelegenen Aranjuez, wo die Kunst der Höfe von Madrid, Paris, Rom und Wien in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts verglichen wird. "Höfe des Barocks. Bernini und Velazquez bis Luca Giordano" (bis 11. Jänner) zeigt - mit zahlreichen Leihgaben aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien - in 380 Stücken aus aller Welt einen Überblick über Künstleraustausch zwischen den Königshäusern, Habsburgische Sammelwut und höfischen Prunk. (APA)