Stockholm - In Schweden beginnt am morgigen Dienstag ein Prozess, in dem sich ein ehemaliger Beamter der Einwanderungsbehörde wegen des Vorwurfs verantworten muss, er habe gegen Schmiergeld rechtswidrig Staatsbürgerschaften bewilligt. Die Zeitung "Dagens Nyheter" veröffentlichte am Sonntag eine Liste mit 19 Namen von insgesamt 27 Personen, die trotz mangelnder Voraussetzungen die schwedische Staatsbürgerschaft verliehen bekommen haben sollen. Der Verleihung der Staatsbürgerschaft standen laut "Dagens Nyheter" die Verwicklung in Straftaten oder Schulden bei der Finanz entgegen.

Nach Angaben der Tageszeitung sollen für eine Staatsbürgerschaft im Schnitt rund 5.000 Kronen (553 Euro) bezahlt worden sein. Der Großteil der Männer - unter den 19 befindet sich keine einzige Frau - stammen aus dem ehemaligen Jugoslawien sowie einige aus dem Nahen Osten. Abgewickelt wurden die Schmiergeldzahlungen laut "Dagens Nyheter" im Jahr 2000. Der Angeklagte, der bereits im Jahr 2001 vom Dienst freigestellt wurde, hat nach Angaben der Zeitung 16 Fälle von Geschenkannahme gestanden.

In den Skandal soll außer dem nun angeklagten 47-jährigen Ex-Beamten noch ein weiterer Angestellter der Einwanderungsbehörde verwickelt gewesen sein, der mittlerweile jedoch verstorben ist. Vermittelt wurden die nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft über zwei Lokalbesitzer, die sich nun ebenfalls vor Gericht verantworten müssen.

Nicht angeklagt werden vorerst hingegen jene 27 Personen, die sich die schwedische Staatsbürgerschaft erkauft haben. Eine Aberkennung der Staatsbürgerschaft ist nach herrschendem Recht in Schweden nicht möglich. (APA)