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Grafik: Archiv
Im April 2004 beginnt die digitale Fernsehzukunft in Österreich: Vorerst allerdings erst in 150 Grazer Haushalten, die kommendes Jahr am Testbetrieb für digitales terrestrisches, also mit Antenne empfangbares Fernsehen teilnehmen. Der Vertrag für den Probebetrieb, von 1. April bis 30. Juni 2004 ist am Montag in Wien offiziell unterzeichnet worden. Partner bei dem Projekt sind der ORF , die Telekom Austria , Siemens Österreich sowie die Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR) . Grundtenor der Beteiligten: DVB-T die Kurzbezeichnung der Technologie, soll ein Meilenstein für die heimische TV-Landschaft werden.

Teilung

Die digitale Technologie macht's möglich: Aus einem herkömmlichen analogen TV-Kanal werden in Graz vier digitale Kanäle. Zwei wird der ORF bespielen, der dritte Platz steht ATVplus zur Verfügung, der vierte Programmplatz schließlich wird zu einer Art Spielwiese für neue Anwendungen. Interaktivität soll dabei ganz groß geschrieben werden - die Testteilnehmer werden mittels ADSL über einen so genannten Rückkanal verfügen und etwa bei Abstimmungen mitspielen können.

Zuversicht

Über 200.000 Haushalte empfangen den ORF bereits jetzt über Digitalsatellit. Sie sei deshalb sicher, dass auch Digital-TV via Antenne "seine Kunden finden wird", sagte ORF-Generaldirektorin Monika Lindner am Montag. Für die interaktive Dienste sieht sie großes Potenzial, denn "die Lust des Publikums, mitzutun und Antworten zu geben, ist sehr groß". Der ORF probiert im Rahmen des Testbetriebs in Graz nicht nur interaktive Anwendungen aus, sondern zeichnet auch für technische Agenden verantwortlich.

Aspekte

Medienstaatssekretär Franz Morak (V) bezeichnete den Pilotbetrieb als "wesentliches Signal, das wir auch zelebrieren". Für Telekom Austria-Generaldirektor Heinz Sundt hat DVB-T auch einen "sozialen Aspekt", werde doch die "Kluft" zwischen den Nutzern neuer Medien und jenem Teil der Gesellschaft, der keinen Zugang zu Internet und Co. hat, immer größer. Mit digitalem Fernsehen könne dieser "digital divide" überbrückt werden, hoffte Sundt.

Benennung

Albert Hochleitner, Generaldirektor der Siemens AG Österreich, gab denn auch zu bedenken, ob "Digitalfernsehen" oder gar "DVB-T" konsumentenfreundliche Bezeichnungen für die neue Technologie wären. Es sei zu überlegen, ob man nicht einen "griffigeren oder gängigeren" Begriff finden könnte. In Berlin, wo seit Sommer 2004 keine analogen Sender mehr im Betrieb sind, wurde DVB-T als "Überall-Fernsehen" beworben - in Hinblick auf die Möglichkeit, auch mit tragbaren Geräten einen guten Empfang zu erzielen.

Teures Vergnügen

Rund neuneinhalb Millionen Euro kostet der dreimonatige Testbetrieb für digitales terrestrisches Fernsehen (DVB-T) im Frühling 2004 in Graz. Neben staatlicher Förderung durch den heuer eingerichteten Digitalisierungfonds kommt dafür auch Geld aus der Steiermark in der Höhe von 1,5 Millionen Euro, sagte Alfred Gringschl, Geschäftsführer der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR) der APA am Montag nach der Vertragsunterzeichnung.

Löwenanteil

60 Prozent der insgesamt 7,5 Millionen Euro im Digitalisierungsfonds werden laut Grinschgl in das Grazer Projekt fließen. Von den Gesamtkosten trage der ORF rund die Hälfte, davon werde wiederum etwa die Hälfte durch die Förderungen abgedeckt. Inkludiert in den 9,5 Millionen Euro ist auch die Begleitforschung, die von der RTR unlängst ausgeschrieben wurde.

Basis

Die Fondsmittel könnten künftig aber auch anderweitig eingesetzt werden: Etwa, um die Konsumenten dazu zu animieren, sich die für den Empfang von Digital-TV nötige Decoder-Box anzuschaffen. Beim Umstieg von analog auf digital in Berlin-Brandenburg wurden solche Settop-Boxen zum Teil von der öffentlichen Hand subventioniert. Derzeit kosten die Geräte in Deutschland schon weit unter 200 Euro.

Mischgerät

50 der Grazer Testhaushalte wird indes eine technische High-End-Lösung ins Wohnzimmer gestellt: Siemens Österreich versorgt diese Teilnehmer mit Boxen, die zusätzlich als digitale Videorecorder einsetzbar sind. Im Laden müsste man dafür mit dem derzeit noch recht stolzen Preis zwischen 999 Euro und 1.499 Euro rechnen. (APA)