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... dieser Frage gingen drei Studierende der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft anhand von Videoprojektionen in einem Wiener Szenelokal nach.

Dass es sich bei Videoprojektionen, die in Szenelokalen mittlerweile zum Standard gehören, einfach um Modeerscheinungen handelt, wäre zu kurz gegriffen. Also beschlossen Philipp Budka, Angelika Gokesch und Iris Klawatsch im Rahmen einer Proseminararbeit der Sache auf den Grund zu gehen und die Beteiligten zu befragen. Als Untersuchungsfeld wählten sie das "Chelsea" in den Wiener Gürtelbögen aus und interviewten den zuständigen Mitarbeiter des Lokals und drei Personen, die es regelmäßig frequentierten. Eine größere Stichprobe hätte den Rahmen einer studentischen Arbeit gesprengt. Außerdem wurde auch auf das Mittel der sogenannten teilnehmenden Beobachtung zurückgegriffen, das dem Forschungsfeld am adäquatesten schien.

Video killed the TV-Star

Nichtsdestoweniger geben die Ergebnisse Hinweise darauf, was für eine Rolle die audiovisuellen Medien im Medienensemble öffentlicher Orte spielen könnten. Wichtig ist dabei zu wissen, dass dabei Sammlungen zum Besten zu geben sind. Die Videos treten damit in die Nachfolge des Mediums, sodass Musikvideos und Filme, die über die Bildschirme flimmern, ohne Ton angespielt werden. Sie sind die visuelle Begleitung zur Musik, die der DJ auflegt.

Ursprünglich waren in der Lokalität Bildschirme und Projektionsleinwand dazu da, um Fußballübertragungen zu zeigen und damit die Fußballleidenschaft des Chefs und der Stammkundschaft zu befriedigen. Einige DJs hatten dann die Idee, die Technik auch an den fußballfreien Abenden zu nutzen - entgegen dem Visual, das seit Jahrzehnten die Lufthoheit über den Stammtischen hielt, nämlich dem Fernsehen.

Das gewisse Etwas

Im Unterschied zu den Anfangstagen des Fernsehens kommen die Gäste aber nicht, weil sie über kein Empfangsgerät verfügen, sondern weil sie eine Stimmung, ein Flair suchen. Dieses setzt sich aus mehreren Faktoren zusammen: dem Gebäude, dem Publikum, der Musik und eben zur Musik passender Videos.

In der Vielzahl der simultanen Reize scheinen diese Videos allerdings wenig Eindruck zu hinterlassen. Zumindest messen die befragten Personen ihnen wenig Bedeutung zu. Wenn sie auffallen, dann eher negativ, weil sie vom Gespräch mit anderen ablenken oder die Gesprächsthematik beeinflussen. Interessant ist, dass diese Feststellung nicht in Bezug auf die Musik getroffen wird, die im "Chelsea" relativ laut ist und einem Gespräch hinderlich sein kann. Die Musik ist viel eher sogar ein wesentliches Motiv, um das Lokal aufzusuchen.

Reiz der Abwechslung

Rätsel gaben die Aussagen der Befragten auf, wonach sie quasi unwillkürlich zu den Videoprojektionen schauten. Die von den AutorInnen zitierte Komplexitätstheorie gibt einen Anhaltspunkt, was es damit auf sich haben könnte. Demnach versuchen wir dauerhaft ein Aktivierungsniveau aufrecht zu erhalten, und suchen dementsprechende Eindrücke. Bei zu hoher Aktivierung suchen wir Wiederholungen, bei zu niedriger wäre dies die Abwechslung. Die Hinwendung zu bewegten Bildern kann also als eine Suche nach abwechslungsreichen Sinnesreizen gedeutet werden.

Die Videos scheinen also nicht ganz ohne Funktion zu sein, auch wenn sie nur am Rande wahrgenommen werden. Zumindest der Autor dieser Zeilen fände es schade, wenn im "Chelsea" an Freitagabenden keine 80er-Jahre-Videos mehr die Bildschirme zieren würden. Die Arbeit im Volltext (Anmeldung erforderlich).