"Konrad Adenauer" von Otto Muehl aus dem Jahr 1968 aus der Serie "Persönlichkeiten 67" ist eines der Exponate der Sammlung des Wiener Aktionismus des "Friedrichhof", die das mumok in Wien ankaufte.

Mumok/Lisa Rastl
Wien - Seit heute, Montag, avanciert das Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig (MUMOK) zum "Kompetenz- und Forschungszentrum des Wiener Aktionismus", wie Direktor Edelbert Köb bei einer Pressekonferenz anlässlich des Ankaufes der Friedrichshof-Sammlung sagte. Um eine Million Euro, die innerhalb von zehn Jahren durch einen Leasingvertrag an die Friedrichshof Genossenschaft gehen, wechselten 21 Werke von Otto Muehl, Günter Brus und Rudolf Schwarzkogler sowie ein umfangreiches Archiv des Wiener Aktionismus in den Bestand des MUMOK. Weiters enthalten sind 2.700 Fotos von Ludwig Hoffenreich, der im Auftrag der Künstler fast alle Aktionen in den Sechziger Jahren dokumentiert hatte.

Budgetnöte und Sammlungspolitik

"Heute kann ein Museum nicht mehr allein der enzyklopädischen Idee anhängen. Ich bin Verfechter einer Schwerpunktbildung, die sich aus der Sammlung ableitet. Wir wollen aus unserem Nukleus, nämlich unserem Bestand von Kunst der Sechziger Jahre, Sammlungspolitik entwickeln", so Köb weiter. Trotz angespannter Budgetsituation, die Ankäufe kaum gestatte, wolle man im MUMOK den Weg des konsequenten Sammelns gehen. Köb: "Das Mumok sollte ein repräsentatives Nationalmuseum sein für Gegenwartskunst, eine Art Fortsetzung des Kunsthistorischen Museums". Dass dieses jetzt auch schon Gegenwartskunst ausstelle, sei nur ein weiterer Beweis für die derzeitige unklare Kompetenzverteilung der Wiener Museumslandschaft.

Der gesamte oder teilweise Verkauf der Sammlung Friedrichshof nach dem Zerfall der Kommune sorgte im Vorfeld schon über Jahre für hitzige Diskussionen. Ende der 90er Jahre hatten ehemalige Kommunenmitglieder mit Mühl wegen des Besitzanspruches an den Bildern gerungen. Die FPÖ hatte zudem heftige Kritik am Erwerb der Sammlung Mühls durch ein Bundesmuseum geübt. Nachdem ein Gesamtverkauf als nicht durchführbar erschien, war beschlossen worden, Einzelstücke der Sammlung in langsamer Abfolge zu veräußern, ohne die Kollektion aufzulösen. Im Jahr 2001 wurde auf dem Gelände der ehemaligen Kommune ein Museum eröffnet, wo Teile der Sammlung in Wechselausstellungen präsentiert wurden.

Verkaufserlös für die Zukunft des Seminarhotels Friedrichshof

Die Sammlung der legendären Friedrichshof-Kommune geht auf den Anfang der Achtziger Jahre zurück, als die Kommunarden gezielt begannen, Werke der Aktionisten zu erwerben. Magdalena Stumpf als Vertreterin der Friedrichshof Wohnungsgenossenschaft auf die Frage, warum man nicht selbst ein "Kompetenzzentrum Wiener Aktionismus" führen wolle: "Wir nehmen Abschied mit Wehmut, aber es ist eine Entscheidung der reinen Vernunft. Wir sind die Provinz und haben weder die Möglichkeiten noch das Know-how eines Museums zur Verfügung. Zum anderen brauchen wir für die Immobilie Friedrichshof Geld". Der Verkaufserlös soll unter anderem auch die Zukunft des Seminarhotels Friedrichshof sichern. Einige namhafte Werke von Muehl, Nitsch und Brus gäbe es aber nach wie vor am Friedrichshof in einer permanenten Ausstellung zu sehen.

Durch den Ankauf beinhaltet die Sammlung des MUMOK nun Werke von Brus, Muehl, Nitsch, Schwarzkogler, Schilling, Frohner, Kren und Ernst Schmidt jun. Kurator Wolfgang Drechsler wies auf die Preisentwicklung des Kunstmarktes hin: "Das Bild 'Kreuzwegstation' von Hermann Nitsch wurde 1975 von der Artothek des Bundes um 48.000 Schilling angekauft. Heute lautet das Angebot für ein Blutbild von 1963, das wir gern ankaufen würden: 235.000 Euro". Köb dazu: "Sammeln bedeutet die Vermehrung des Volksvermögens". (APA)