Insbesondere in Wien ist die Situation prekär - Explodiert ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen

Montage: derStandard.at
Wien - Die jüngsten Anzeichen einer Konjunkturerholung sind auf dem Arbeitsmarkt noch nicht sichtbar. Im Oktober hat sich der Anstieg der Arbeitslosigkeit erneut fortgesetzt, wobei fast 90 Prozent des Zuwachses auf Wien entfällt. Österreichweit sind nun beim Arbeitsmarktservice (AMS) 223.634 Arbeitslose vorgemerkt, weitere 43.926 Personen sind in Schulungen und somit auf Arbeitssuche, aber nicht offiziell arbeitslos.

Rieder kündigt Arbeitsmarktgipfel an

Wiens Finanzstadtrat Sepp Rieder hat angesichts der tristen Situation für Dezember einen Arbeitsmarktgipfel angekündigt und forderte vom Bund mehr Mittel "statt der kolportierten Pläne Bartensteins, die AMS-Mittel für Wien im Jahr 2004 zu kürzen".

Österreichweit stieg die Arbeitslosigkeit gegenüber dem Oktober 2002 um 4,7 Prozent oder 10.120 Betroffene. In Wien stieg die Zahl der Arbeitslosen jedoch um 12,8 Prozent oder 8777 - und jeder Arbeitsmarktexperte bietet andere Erklärungen an.

Roland Löffler von der Forschungsgesellschaft Synthesis führt Großpleiten wie Grundig, rückläufige AMS-Schulungen in Wien, einen höheren Dienstleistungsanteil, weniger neue Jobs als in den Bundesländern sowie das Spezialproblem der hohen Ausländerarbeitslosigkeit als Gründe an.

Schwacher Tourismus

Marcus Scheiblecker vom Wirtschaftsforschungsinstitut erklärt die hohe Arbeitslosigkeit in Wien mit dem schwach gelaufenen Tourismus im ersten Halbjahr, dem Jobabbau im EDV-Bereich etwa bei den Banken, die Abwanderung von Handelsbetrieben zu den Großmärkten außerhalb der Stadt und dem relativ schlechten Bauwetter im Oktober.

Neben dem Phänomen Wien fällt der starke Anstieg bei der Langzeitarbeitslosigkeit auf - Spiegelbild der dreijährigen Konjunkturflaute. Im Oktober 2002 waren 8330 Personen länger als ein Jahr ohne Job, derzeit sind es 20.932. Über alle Kategorien gerechnet beträgt die Arbeitslosenquote nun 6,5 Prozent (nationale Berechnung) - der höchste Wert seit fünf Jahren. Nach EU-Methode liegt die Arbeitslosenquote mit 4,5 Prozent um 0,3 Prozentpunkte über dem Vorjahr. Hinter Luxemburg und den Niederlanden weist Österreich die drittniedrigste EU-Arbeitslosenrate auf, rückt aber im Jahresdurchschnitt einen Platz vor. (DER STANDARD Printausgabe, 5.11.2003, miba)