Wien - Im OECD-Bericht zur Vereinbarkeit von Beruf und Familiefinden sich auch einige konkrete Änderungsvorschläge zum mit 1. Jänner 2002 eingeführten Kinderbetreuungsgeld. Eltern, die nicht die volle Dauer in Anspruch nehmen, könnten nach Ansicht der OECD mit einem höheren Kindergeldsatz belohnt werden. Auch eine Reform der Zuverdienstgrenzen (14.600 Euro) wird empfohlen. Weiters wird vorgeschlagen, einen Teil des Kindergeldes an die Inanspruchnahme von Kinderbetreuungseinrichtungen zu binden.

Die Begründung der OECD: Familien, wo sich ein Elternteil zu einer ganztägigen Kleinkinderbetreuung entschließt, würden "wesentlich mehr Unterstützung" bekommen, als Familien in anderen OECD-Ländern. Die Politik solle aber sicherstellen, dass Eltern, "die mehr als eine beschränkte Anzahl an Stunden arbeiten möchten, Zugang zu ähnlichen Leistungen haben".

Das Kindergeld habe jedoch durch den "höheren Auszahlungsbetrag, die längere Laufzeit und die Ausdehnung auf mehr Anspruchsberechtigte die Wahlmöglichkeit der Eltern sicher erhöht", meint die OECD. Die bessere finanzielle Situation mache es aber gleichzeitig für die Zweitverdienenden attraktiver, zu Hause zu bleiben. Demnach würden 50 Prozent nach Ablauf der Karenz die Arbeit nicht wieder aufnehmen. 25 Prozent kehren zu gleichen Firma zurück, weitere 25 Prozent wechseln den Arbeitgeber, um Teilzeit zu arbeiten.

Als "Hauptproblem" beim Kindergeld wird von der OECD angesehen, dass die Auszahlung bis zu 30 Monate in Anspruch genommen werden kann, der Kündigungsschutz aber nur 24 Monate beträgt.

Defizite bei flächendeckender Kinderbetreuung

Kritisch wird von der OECD beäugt, dass es keine flächendeckende reguläre Kinderbetreuung für Kinder unter drei Jahren gibt (nur zwölf bis 13 Prozent). Von den Drei- bis Sechsjährigen befinden sich hingegen 85 bis 90 Prozent in Betreuung. Es fehle vor allem in urbanen Zentren an Plätzen, "und erwerbstätige Mütter müssen häufig auf informelle Betreuungsformen zurückgreifen", heißt es im Bericht.

Außerdem bestehe durch die Einführung des Kindergeldes die Gefahr, dass die für Betreuungseinrichtungen zuständigen Bundesländer "ein Signal sehen, das Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen zu verringern oder nicht weiter auszubauen". Hier seien Initiativen der Politik gefragt.

Die OECD stellt fest, dass es zwar "qualitativ hochwertige" Privateinrichtungen gebe, es aber zu Effizienzproblemen komme. Vorgeschlagen wird daher, "die Subventionen zur Kinderbetreuung den Eltern und nicht den Dienstleistungserbringern zu geben unter der Bedingung, dass sie nur qualitätsgeprüfte Betreuungseinrichtungen in Anspruch nehmen".

Erhöhung der Wahlmöglichkeit durch Bindung

Auch zur langen Verweildauer in der Karenz gibt die OECD eine Empfehlung ab: "Um diesem Effekt entgegenzuwirken, aber auch um die Frauenerwerbsbeteiligung und Gleichheit zwischen den Geschlechtern zu fördern, wäre eine Option, die Zahlung von Kinderbetreuungsgeld und/oder zukünftige Erhöhungen dieser Leistung zumindest teilweise an die Bedingung zu knüpfen, Kinder betreuen zu lassen." Dies würde nach Ansicht der OECD "die Wahlmöglichkeiten der Eltern in Bezug auf Familie und Beruf erleichtern und bei ausreichend vorhandenen Betreuungsplätzen auch Wahlmöglichkeiten zwischen Betreuungseinrichtungen und -formen bieten, während die Gleichstellung der Eltern durch eine solche öffentliche Unterstützung gefördert werden würde".

Ein derartiges Leistungsschema könne einkommensabhängig gestaltet sein, "dass allen BenutzerInnen von Kinderbetreuung (z.B. 20 Wochenstunden) ein Grundbetrag zusteht, dieser jedoch bei erwerbstätigen Eltern (auf Grund der längeren wöchentlichen Betreuungszeiten) höher ausfällt."

Noch immer Sache der Frauen

Überall sei die Inanspruchnahme von familienfreundlichen Maßnahmen Sache der Frauen. Der Männeranteil liegt in Österreich bei zwei Prozent (Irland: fünf, Japan: 0,4 Prozent). Positiv beurteilt wird das Audit "Familie und Beruf", das Ratschläge zur Verbesserung des familienfreundlichen Klimas anbietet. Die Zahl der eingebundenen Unternehmen sei aber noch "relativ klein". Und: Das Audit verdiene "eine größere Verbreitung in Österreich".

Empfohlen wird auch - das ohnehin bereits beschlossene - Recht auf Eltern-Teilzeit. Es "würde den Eltern mehr Wahlmöglichkeiten geben, ihre Bindung an den Arbeitsplatz während der Karenz stärken und das künftige Arbeitskräfteangebot erhöhen", heißt es. (APA)