eformen ja, aber so nicht. Auf diese Kurzformel lässt sich das Ergebnis einer gestern veröffentlichten Meinungsumfrage bringen. Das könnte man als typisch österreichische Reaktion ("Im Prinzip ja, aber wenn es mich betrifft, danke nein") abtun. Wird wohl auch etwas dran sein. Aber die von der Sozialwissenschaftlichen Studiengesellschaft (SWS) erstellte Untersuchung und die Interpretation des SWS-Präsidenten Heinzl Kienzl, dass für viele inzwischen "Reform ein schmutziges Wort" geworden ist, decken sich mit der aktuellen politischen Wahrnehmung (auch wenn Kienzl ein alter Sozialdemokrat und Sozialpartner ist). Zu viel an Reformen ist inzwischen in der Umsetzung schief gegangen, von der Unfallrentenbesteuerung über die Ambulanzgebühr bis zur "Säuberung" des Sozialversicherungsverbandes. Schüssels Wendeprojekt hatte inhaltlich anfangs gar nicht wenig Unterstützung in der Bevölkerung. Die Art der Durchführung und die Weigerung des Kanzlers, die Notwendigkeiten immer und immer wieder zu erklären, dem Volk verständlich zu machen, haben das aber gründlich korrigiert. Diese Überrumpelungsstrategien werden von der Bevölkerung zunehmend als das erkannt, was sie sind. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.11.2003)