Bischof Kurt Krenn, gestresst?

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Wien – Als "Ausdruck einer stressbedingten Irritation" hat Caritas-Präsident Franz Küberl die jüngste Kritik des St. Pöltner Diözesanbischofs Kurt Krenn bezeichnet. Krenn hatte die Arbeit Küberls scharf angegriffen und gemeint, die Caritas solle nicht "politisieren", sondern "was tun". Küberl meint nun in der "Presse" dazu, "Interviews erschüttern mich nicht. Was mich wirklich erschüttert, ist, wenn Leute vor den Scherben ihres Lebens stehen, wenn ich AIDS-Kranke sehe. Bischof Krenn weiß ja ganz genau, was die Caritas tagtäglich zu Gunsten von Menschen tut, die in Not geraten sind. Das, was er gesagt hat, war möglicherweise Ausdruck einer stressbedingten Irritation."

"Haarrisse"

Küberl sieht sich auch durch die Aussagen des für die Caritas zuständigen Erzbischofs Alois Kothgasser gestärkt. Kothgasser hatte vor kurzem die Kritik Krenns zurückgewiesen. Küberl: "Das ist damit geklärt. Die Caritas wird vom Gesamt der Kirche in einer sehr beachtlichen Weise getragen, selbstverständlich auch von der Bischofskonferenz. Ich sehe da keine Haarrisse."

Küberl kann sich nicht erklären, weshalb Krenn der Caritas Österreich überhaupt die rechtliche Grundlage abspricht: "Das müssen Sie den Bischof selbst fragen." Denn die Bischofskonferenz selbst habe 1976 die Caritas Österreich als Institution eingerichtet. Im Statut sei ausdrücklich als Aufgabe festgeschrieben, Stellungnahmen zu Maßnahmen abzugeben, die die Interessen der Caritas berühren.

Zurechtweisung

Ob er sich eine Zurechtweisung Krenns durch Bischofskonferenz-Vorsitzenden Christoph Schönborn erwarte? Die Antwort des Caritas-Präsidenten: "Ich weiß vom Vorsitzenden, dass er bei vielen Gelegenheiten in berührender Weise das, was die Caritas tut, zu seinem Anliegen macht. Ich will ihm über die Medien nichts ausrichten. Es muss nicht jeder Bischof jeden Tag erklären, dass er die Caritas mag."

Küberl will sich den Mund nicht verbieten lassen: "Der Herrgott hat mich mit Mund, hoffentlich auch mit Hirn und Herz ausgestattet. Es ist meine Verantwortung als Christ, halbwegs redlich zu agieren. Letztendlich muss ich das einmal auch verantworten." (APA)