Basel/Wien - Schweizer Wissenschafter starten diese Woche einen neuen Impfstoffversuch gegen Malaria. 46 freiwilligen, gesunden Menschen wird eine Substanz gespritzt, die die Abwehr gegen das Plasmodium falciparum, den Erreger der oft tödlich verlaufenden Malaria tropica, stärken soll. Zuerst wird getestet, ob der Impfstoffkandidat gut verträglich ist, dann wird seine Immunisierung geprüft.

Der Test ist Teil der globalen "Malaria Vaccine Initiative", an der Hunderte Forscher beteiligt sind. Jährlich erkranken etwa 500 Millionen Menschen, bis zu 2,7 Millionen von ihnen sterben. Am stärksten betroffen sind Kinder.

Das Forscherteam vom Schweizer Tropeninstitut, von Pevion Biotech und der Uni Zürich hat das Pferd von der anderen Seite aufgezäumt: "Bei früheren Versuchen hat man ganze Moleküle des Erregers dem Immunsystem vorgeführt. Teile davon bewirkten aber auch stimulatorische Effekte - das heißt, der Erreger verbreitete sich fast noch besser als ohne Impfung", erklärt Biotech-Zellbiologe Thomas Stauffer dem STANDARD.

Der neue Impfstoff sei laut Stauffer hingegen nur aus jenen Erregerteilen zusammengestellt, die nicht krankheitsauslösend sind: "Wir haben daher große Hoffnung auf eine gute Immunantwort."

Das neue Vakzin soll Malaria in seinen verschiedenen Lebensstadien bekämpfen. "Der Erreger ist zuerst in der Mücke, dann kommt er ins Blut, dann in die Leber, dann wieder ins Blut, dort beginnt die Vermehrung in den Blutkörperchen. Die Blutkörperchen explodieren, und dann kommt der Fieberschub", erklärt Stauffer. Je nachdem, in welchem Stadium der Erreger sich befindet, zeigt er unterschiedliche Moleküle an seiner Oberfläche: Im Sporozoiten-Stadium, also wenn er erstmals ins Blut kommt, präsentiert er andere Eiweißmoleküle als später, und "wir wollen pro Stadium mindestens ein Eiweiß attackieren."

Basis des Vakzins ist ein inaktiviertes, also nicht mehr infektiöses Grippevirus. Auf seine Hülle werden die verschiedenen Malaria-Eiweiße aufgepfropft. Der Vorteil: Die Impfsubstanz wird vom Immunsystem gut erkannt, "denn jeder von uns hat ja schon einmal Grippe gehabt", sagt Stauffer mit Verweis auf das Immungedächtnis: Die Antikörper erkennen das ungefährlich gemachte Grippevirus, docken an dessen Oberfläche an, kommen dabei mit den Hüllproteinen des Malaria-Erregers in Kontakt und bilden dadurch auch Rezeptoren für Plasmodium. Und dieser Kontakt bleibt ihnen quasi im Gedächtnis - bei einem späteren Eindringen des Malaria-Erregers soll dieser dann in allen Stadien von den Antikörpern erkannt und rechtzeitig bekämpft werden.

In Tierversuchen funktioniert das Prinzip bereits - bis ein humanes Vakzin auf den Markt kommt, können jedoch noch Jahre vergehen. (Eva Stanzl/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6. 11. 2003)