Bild nicht mehr verfügbar.

James Murdoch

Foto: Reuters/KWONG
Die Geschichte könnte so überall vorkommen: Ein Mann gründet ein Unternehmen, bringt es zur Blüte, nimmt sich Investoren herein, will an den Sohn übergeben - und aus ist's mit dem business as usual. Ein Machtkampf beginnt, bei dem alle Register gezogen werden. Kern der Vorwürfe: Nepotismus. Es genüge nicht, der Sohn eines erfolgreichen Mannes zu sein, erklären die Fondsgesellschaften und Aktionäre.

Wer jetzt glaubt, es handle sich um ein alpenländisches Dramolett um den Besitzer einer Boulevardzeitung und den von ihm zum Nachfolger auserkorenen Sohn, der irrt.

James Murdoch, der 30-jährige Spross des 72-jährigen Medienmoguls Rupert Murdoch, wurde am Montag an die Spitze des größten europäischen PayTV-Senders, British Sky Broadcasting Corporation (BSkyB), berufen. Seine Ernennung wird überschattet von den Aktionärsbedenken über das Auswahlverfahren. Die Investoren fürchten, dass James Murdoch wegen seiner familiären Bande in seinen Entscheidungen nicht frei ist.

Die Murdoch-Familie kontrolliert über den Medienkonzern News Corp. etwa 35 Prozent des Kapitals von BSkyB. Der Rest des Unternehmens mit einer Marktkapitalisierung von 17,6 Milliarden Euro ist breit gestreut.

Dabei besitzt James Murdoch bereits Medienerfahrung. In den vergangenen drei Jahren hat er für die News Corp. den asiatischen Satellitenkanal Star TV aus der Verlustzone geholt und in ein profitables Unternehmen verwandelt. Ganz offen wird dennoch darüber spekuliert, dass der Patriarch mit seiner Nachfolgeregelung den passenden Weg gefunden zu haben glaubt, um weiter beliebig ins Unternehmen hineinregieren zu können.

Murdoch jun., der am liebsten Prada und Armani trägt, mit einem Exmodel verheiratet ist und im April Vater einer Tochter wurde, reagierte auf die Vorwürfe professionell: Bis zur außerordentlichen Hauptversammlung am 14. November werde er den Dialog mit den Aktionären suchen, sagte er. Er wolle diese durch Argumente und durch seine Taten beeindrucken.

Noch vor gar nicht so langer Zeit hätte das dritte von sechs Murdoch-Kindern aus drei Ehen weit von sich gewiesen, in die großen Fußstapfen des Vaters treten zu wollen. Während sein zwei Jahre älterer Bruder Lachlan (dieser ist seit zwei Jahren stellvertretender Generaldirektor von News Corp. und hat lange als aussichtsreichster Kandidat für den BSkyB-Job gegolten) bereits in der Schule und im Studium mit guten Noten glänzte, eckte James immer wieder an. Als Schüler liebte er es, sich die braunen Haare blond zu färben; er trug Ohrringe und ließ sich eine Tätowierung in die Haut ritzen. Lange Zeit galt sein berufliches Interesse einer HipHop-Plattenfirma, die er 1995 gegründet hatte. (Johanna Ruzicka/DER STANDARD; Printausgabe, 6.11.2003)