Rom - Ein Skandal von noch nicht übersehbarem Ausmaß erschüttert die Anti-Mafia-Behörden in Palermo. Wegen mutmaßlichen Verstrickungen in die sizilianische Cosa Nostra wurden zwei hochrangige Polizeibeamte festgenommen, die mit der Staatsanwaltschaft von Palermo bei der Jagd auf den seit 40 Jahren flüchtigen Mafioso Bernardo Provenzano zusammenarbeitet hatten. Sie werden beschuldigt, prominente Mafiosi über den Stand der Ermittlungen informiert zu haben, berichteten italienische Medien am Donnerstag.Nummer eins der Mafia

Die beiden Fahnder sollen dem 50-jährigen Unternehmer Michele Aiello, der sich im Visier der Behörden befindet, Details zur polizeilichen Untersuchung verraten haben. Aiello, Besitzer einer Privatklinik in Palermo, zählt zu Siziliens reichsten Unternehmern. Er soll ein Vertrauensmann Provenzanos sein, der als Nummer eins der Mafia gilt. In den Sog des Skandals sind weitere fünf Personen geraten.

Drogen- und Erpressergeschäfte Der Skandal in Palermo ist ein harter Schlag für Innenminister Giuseppe Pisanu. Dieser hatte vor wenigen Tagen bekundet, die Festnahme Provenzanos sei nur eine Frage von wenigen Wochen. 1993, als der "Boss der Bosse" Toto Riina gefasst wurde, hat Provenzano nach Darstellung der Fahnder bei der Cosa Nostra das Kommando übernommen. Die Staatsanwälte vermuten, dass er sich in den Bergen Siziliens versteckt. Nicht auszuschließen sei jedoch, dass er dank seiner guten Verbindungen weiterhin in Palermo lebt, wo er die Drogen- und Erpressergeschäfte koordiniert. (APA)