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Courtney Love auf der BMG-Entertainment Party in Hollywood

Foto: Reuters/Rose Prouser
New York/Wien - Der deutsche Medienriese Bertelsmann und der japanische Unterhaltungskonzern Sony stehen vor Zusammenführung ihrer Musiksparten in ein gemeinsames Unternehmen. Nach mehrwöchigen Verhandlungen soll eine diesbezügliche Absichtserklärung unterschrieben worden sein, berichten US-Medien. Mit der Fusion würde das weltweit zweitgrößte Label entstehen, nur wenig kleiner als der derzeitige Branchenführer Univeral Music.

Die Fusion von Sony Music und BMG wäre einer der stärksten Konsolidierungsschritte in der derzeit von Verkaufs- und Gewinnrückgängen gezeichneten Musikindustrie. Ein Schlaglicht auf die schwierige wirtschaftliche Situation wirft auch die geplante Kündigung von 1350 Mitarbeitern bei Universal Music.

Fusionsgespräche

Seit Monaten gibt es bereits Fusionsgespräche unter den führenden Anbietern, die jedoch bisher noch keine Ergebnisse brachten. Konkret scheinen auch Verhandlungen zwischen dem Time-Warner-Konzern und EMI zu sein. EMI will um rund eine Mrd. US-Dollar Warner Music erwerben. Davor gab es ergebnislose Verhandlungen zwischen Bertelsmann und Time Warner.

Allerdings stehen alle die- se potenziellen Zusammenschlüsse vor einer beträchtlichen Hürde: der Zustimmung der Kartellbehörden in den USA und Europa. Der europäische Verband unabhängiger Labels, Impala, hat seinen Einspruch bereits zu Protokoll gegeben. Die aktuelle Krise der Musikbranche sei ein Ergebnis der starken Konzentration, weitere Fusionen würden dies nur verschlimmern, sagt Impala.

Erholung der Musikbranche

In den USA gibt es inzwischen Anzeichen einer Erholung der Musikbranche. Seit September - dem Zeitpunkt, da der Branchenverband RIAA einige Hundert Klagen wegen illegaler Downloads gegen Einzelpersonen eingebracht hat - haben CD-Verkäufe in den USA plötzlich wieder stark zugenommen. Während die Verkäufe seit 2000 um 15 Prozent zurückgegangen sind, sind sie in einer Spitzenwoche im September um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr hinaufgeschnellt.

Zwar posaunt die für ihre Klagen heftig kritisierte Industrie diese Trendumkehr in der Öffentlichkeit nicht hinaus, jedoch sollen Vertreter der Labels darin ihren harten Kurs bestätigt sehen, berichtet das Onlinemagazin Salon. Allerdings ist auch die Zahl der Downloads, soweit sie von Marktforschern erhoben werden kann, seit den Klagen nicht nennenswert zurückgegangen. (spu, Der Standard, Printausgabe, 07.11.2003)