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Foto: REUTERS/SIMON KWONG

Wien - Es gibt zu wenige Kinderbetreuungsplätze in Österreich, hat die OECD diese Woche bemängelt. Und im Sommer hat die Statistik Austria erhoben, dass für 90.000 Kinder zusätzliche Betreuung gewünscht wird. Aussagen und Zahlen, die die Koalition anzweifelt. Denn, so weiß Frauenministerin Maria Rauch-Kallat zu erzählen: "Die Zahlen über fehlende Kinderbetreuungsplätze haben schon vor zehn Jahren, als ich Familienministerin war, nicht gestimmt. In Salzburg sind etwa derzeit 1600 Kinderbetreuungsplätze frei."

Daher hat sich die Regierung auf dem Kinderbetreuungsgipfel darauf geeinigt, dass nun einmal der Bedarf erhoben wird. Für Kinder im Vorschulalter soll eine Kommission aus Ländern und Sozialpartnern die Zahl der fehlenden Betreuungsplätze feststellen. Und für Kinder im Pflichtschulalter werden einerseits die LandesschulrätInnen über den vorhandenen Bedarf befragt, andererseits sollen die Betreuungswünsche der Eltern schulpflichtiger Kinder via Umfrage erhoben werden.

Neue Plätze für 10.000

"Dann wissen wir endlich einmal, was wirklich gebraucht wird", freut sich Familienstaatssekretärin Ursula Haubner, die auch einheitliche Qualitätsstandards erarbeiten lassen will. Eine von Haubner in Auftrag gegebene Studie der Statistik Austria hat im Sommer ergeben, dass die größten Mängel bei der Kinderbetreuung für Kinder im Pflichtschulalter bestehen - hier fehlen laut Statistik Austria 46.500 Plätze, weil viele Schulen zu Mittag schließen.

Bildungsministerin Elisabeth Gehrer hingegen rechnet damit, dass die nun beschlossene Erhebung einen Bedarf von 10.000 zusätzlichen Plätzen für Nachmittagsbetreuung an den Schulen ergeben wird. Diese 10.000 Plätze, kündigte Gehrer am Donnerstag an, sollen bis 2006 geschaffen werden, der Bund stellt dafür neun Millionen Euro zur Verfügung. Derzeit werden 45.000 Kinder betreut, teils in einer Ganztagsschule, teils in Form von Nachmittagsbetreuung in der Schule. Bis 2006 sollen es dann 55.000 sein.

Nicht ausreichend

Insgesamt gibt es in Österreich 780.000 SchülerInnen im Alter zwischen sechs und 14 Jahren. Daher hält Kurt Kremzar von der Arbeiterkammer die Zahl von 10.000 zusätzlichen Plätzen für viel zu niedrig. Die AK hat die Eltern befragt - und 55 Prozent von ihnen wünschen sich ganztägige Schulformen für ihre Kinder. Das wäre ein zusätzlicher Bedarf von über 300.000 Plätzen - wenn man die derzeit rund 50.000 Hortplätze abzieht. Auch SPÖ, Grüne und Gewerkschaft sehen 10.000 Plätze nur als "ersten Schritt".

Jedenfalls richtet die Koalition eine Homepage ein, um Eltern über Kinderbetreuungsplätze zu informieren. (Eva Linsinger, D ER S TANDARD , Print-Ausgabe, 7.11. 2003)