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Kein Theater für Gehörlose, sondern offene Türen für das gehörlose Publikum

Grafik: APA/ E. Schulte-Holtey
Wien - "Für Barrie und mich gibt es dafür eigentlich nur ein Wort: selbstverständlich!" Trotzdem stehen die Schauspielhaus-Leiter Airan Berg und Barrie Kosky damit ziemlich alleine da in der Theaterszene: Das Schauspielhaus ist das einzige Theater Österreichs, das regelmäßig seine Aufführungen in Gebärdensprache übersetzen lässt. Bei der Produktion "1914" etwa wird heute, Freitag, noch einmal gedolmetscht.

"Es ist unglaublich anstrengend", berichtet die Innsbrucker Dolmetscherin Kerstin Gaderbauer. "Normalerweise übersetzt man 20 Minuten - nach den eineinhalb Stunden bin ich vollkommen fertig."

Gehörlosen Gäste

Eine Arbeit, die auch intensivster Vorbereitung bedarf: Gaderbauer bekommt vorab den Text, überlegt sich, wie Formulierungen sinnvoll übertragen oder umschrieben werden können - sie muss auch wissen, wo sie laut, leise schüchtern oder aggressiv gebärden soll. Dann wird ausgetüftelt, wo sie gut beleuchtet steht, damit das Publikum mit einem Blick Geschehen und Übersetzung erfassen kann. Auch die gehörlosen Gäste bekommen auf Wunsch vorab eine Zusammenfassung sowie Fotos und Rollenbeschreibungen von den Schauspielern.

"Entscheidend ist, dass wir nicht Theater für Gehörlose machen, sondern die Türen öffnen", betont Berg. "Es geht um die Selbstverständlichkeit der Kommunikation und auch um Teilnahme an gesellschaftlichen Ritualen." (frei, DER STANDARD Printausgabe 7.11.2003)