Wien - Damit, dass die katholische Kirche mehr tut, als sie müsste, gibt sich Michael T. nicht zufrieden: Für ihn ist es "eine Frage des Prinzips", dass die Kirche seine Psychotherapie ganz - und nicht "nur" zwei Drittel - bezahlt.

Schließlich, so der Familienvater, sei er als Kind von einem Geistlichen sexuell missbraucht worden - und leide bis heute darunter. Daher solle die Erzdiözese Wien seine - und die Therapien aller anderen Opfer geistlicher Übergriffe - zur Gänze bezahlen. Derzeit wird ein Drittel der Kosten von der Krankenkasse erstattet. Dass ihm selbst aufgrund dieser Teilung (zwei Drittel Kirche, ein Drittel Kasse) ohnehin keine Kosten entstünden, sei "absolut nebensächlich".

In der Erzdiözese Wien sieht man das freilich anders: Schließlich übernehmen Krankenkassen bei jeder Therapie in Österreich ein Drittel der Kosten - früher, bevor die katholische Kirche von sich aus beschlossen hätte, in "ihren" Fällen die übrigen zwei Drittel zu übernehmen, hätten die Betroffenen diesen Betrag sogar selbst tragen müssen. (rott, DER STANDARD Printausgabe 7,11.2003)