Berlin/Hannover - Die Führung des zweitgrößten europäischen Reisekonzerns Thomas Cook hat am Donnerstagabend überraschend ihre Ämter niedergelegt. Vorstandschef Stefan Pichler und sein Finanzchef Norbert Kickum würden mit sofortiger Wirkung ausscheiden, teilten die beiden Gesellschafter des Unternehmens Lufthansa und KarstadtQuelle nach einer Sitzung des Aufsichtsrates mit. Hintergrund sind nach Angaben aus Kreisen der Gesellschafter Differenzen über die Führung des Reisekonzerns, der in diesem Jahr in Folge der schweren Reisekrise erneut einen hohen Verlust erwartet.

Der Aufsichtsrat der Thomas Cook AG habe kommissarisch den KarstadtQuelle-Manager Peter Gerard zum Vorstandsvorsitzenden und Lufthansa-Vorstandsmitglied Karl-Ludwig Kley zum Finanzvorstand ernannt. Beide hätten ihre Aufsichtsratsmandate bei Thomas Cook niedergelegt, blieben aber Vorstandsmitglieder bei KarstadtQuelle beziehungsweise der Lufthansa. Von der bisherigen Cook-Führung bleibt lediglich Produktvorstand Peter Fankhauser.

Bei Thomas Cook wurde die Nachricht mit Überraschung aufgenommen. Allerdings gab es im Vorfeld der Aufsichtsratssitzung zahlreiche Spekulationen in der Reisebranche über eine mögliche Abberufung Pichlers. Der frühere Lufthansa-Manager, der seit März 2001 an der Spitze des Reisekonzerns steht, verlässt das Unternehmen genau einen Tag vor seinem 46. Geburtstag am Freitag.

Pichler hat die frühere C & N Touristic durch die Übernahme der britischen Thomas-Cook-Gruppe zur schärfsten Konkurrentin des europäischen Marktführers TUI aufgebaut und sich auch für die Übernahme des international renommierten, in Deutschland aber zunächst unbekannten britischen Namens eingesetzt.

Mit Beginn der Reisekrise vor zwei Jahren brachte Cook seinen beiden Gesellschaftern, die jeweils 50 Prozent halten, aber anstatt der erhofften Erträge herbe Verluste. Auch im Geschäftsjahr 2002/2003, das am 31. Oktober endete, konnte Pichler gegenüber dem schwachen Vorjahr keine Verbesserung vorweisen. Bereits Mitte September musste Cook seine Prognose für ein besseres Ergebnis revidieren. Man werde sich wohl auf dem Niveau von 2002 bewegen, als der Konzern unter dem Strich einen Verlust von 123 Mio. Euro verbuchte. Wichtigster Veranstalter im Reisekonzern Thomas Cook ist Neckermann.

Umstrittener Kurs

Pichler versuchte zuletzt mit weiteren drastischen Einschnitten im Flugbereich in Deutschland, etwa durch den Verkauf von 13 Flugzeugen und die Zusammenlegung von Betriebsteilen, Kosten zu sparen. Dies könnte sich allerdings erst im kommenden Jahr auswirken.

Bei der Lufthansa war Pichlers Kurs nach Angaben aus Konzernkreisen teilweise umstritten. KarstadtQuelle hatte am Donnerstag vormittag seinen Konzernverlust unter anderem mit dem schwachen Ergebnis seiner Reisebeteiligung an Thomas Cook begründet. (APA/Reuters)