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Papillomaviren stellen ein großes medizinisches Problem dar, so Experten. Ihnen soll es bald an den Kragen gehen.

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Heidelberg - Eine neue Strategie in der Behandlung des Gebärmutterhalskrebses soll die Heilungschancen der Patientinnen erhöhen: Heidelberger Wissenschafter wollen gezielt die Aktivität eines bestimmten Proteins hemmen und dadurch jene Körperzellen in den Selbstmord treiben, die mit dem Humanen Papillomavirus (HPV) infiziert sind. Rund 70 Prozent aller Tumoren des Gebärmutterhalses sind auf zwei gefährliche Varianten dieser Virengruppe zurückzuführen, die normalerweise lediglich harmlose Warzen verursacht.

In Deutschland erkranken jährlich rund 7.000 Frauen an dem so genannten Zervixkarzinom. 2.000 sterben im gleichen Zeitraum an den Folgen. Weltweit registrieren die Ärzte pro Jahr eine halbe Million Neuerkrankungen und 350.000 Todesfälle. Die Therapie erfolgt meist durch Operation oder eine Laserbehandlung des befallenen Gewebes. Doch nicht immer führt dies zum Erfolg, wie das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg betont: Besonders in fortgeschrittenen Stadien sei eine vollständige Heilung weniger wahrscheinlich.

Problem Papillomavirus

"Papillomaviren stellen ein großes medizinisches Problem dar", betonen die Experten. Die Erreger, die über Sexualkontakte übertragen werden, verursachen in der Gebärmutterschleimhaut zunächst gutartige Veränderungen, die sich in den meisten Fällen wieder zurückbilden. Doch bei einem geringen Prozentsatz der Frauen entarten die veränderten Zellen, und es bildet sich ein Krebsgeschwür. Die Heidelberger Mediziner haben nun ein bestimmtes Virus-Gen ins Visier genommen, dem eine entscheidende Rolle bei diesem Prozess zufällt: Denn nur mit Hilfe des Proteins E6 sichert sich der Erreger sein Überleben.

E6 bindet sich an ein anderes Protein namens p53, das im Normalfall dafür sorgt, dass sich befallene Zellen selbst töten und nicht bösartig vermehren. Das Virus-Gen blockiert diese Funktion, so dass die Zellen am Leben bleiben. Mit einer neuen molekularbiologischen Methode, der so genannten RNS-Interferenz, wollen die Wissenschafter nun die Aktivität von E6 blockieren. Dadurch könne das Protein p53 ungehindert seiner Aufgabe nachkommen und den Zelltod, die so genannte Apoptose, einleiten. Noch sei allerdings nicht genau geklärt, wie dieses Verfahren als Therapiemethode eingesetzt werden könne. Es müssten vor allem Wege gefunden werden, die für die Behandlung notwendigen Moleküle in die infizierten Zellen einzuschleusen, betonen die Forscher. (APA/AP)