Das deutsche Bundeskartellamt hat den Verkauf des Berliner "Tagesspiegel" an den ehemaligen Holtzbrinck-Manager Pierre Gerckens genehmigt. Zugleich werde es aber eine "vertiefte Prüfung" der vom Holtzbrinck-Verlag geplanten Übernahme der "Berliner Zeitung" geben, kündigte die Behörde am Freitag in Bonn an.

Die Stuttgarter Verlagsgruppe hatte den "Tagesspiegel" Ende September an Gerckens abgegeben, um den Kauf der "Berliner Zeitung" zu retten (etat.at berichtete). "Mit dieser Entscheidung konzentriert sich das Amt auf die eigentliche Frage, ob der Tagesspiegel weiterhin der Holtzbrinck-Gruppe zuzurechnen ist", erläuterte Kartellamtschef Ulf Böge.

Enge Verknüpfung

Die Veräußerung des "Tagesspiegel" erfülle für sich betrachtet nicht die Voraussetzungen für eine Untersagung, betonten die Kartellwächter. Doch sei dieser Verkauf mit dem geplanten Erwerb des Berliner Verlags auch nach Aussage der Beteiligten eng miteinander verknüpft. Deshalb werde die Behörde bei der geplanten Übernahme das Hauptprüfverfahren eröffnen, das drei Monate dauern könne. Falls sich herausstelle, dass der "Tagesspiegel" de facto weiter zu Holtzbrinck gehöre, "entspräche der Erwerb des Berliner Verlages durch Holtzbrinck dem ursprünglich vom Bundeskartellamt bereits geprüften Zusammenschlussvorhaben", betonte Böge.

In einem ersten Verfahren hatte das Kartellamt die Fusion der beiden Berliner Abonnementszeitungen Anfang Dezember 2002 verboten. Als gleichzeitiger Besitzer des "Tagesspiegel" drohte Holtzbrinck aus Sicht der Wettbewerbshüter in Berlin eine marktbeherrschende Stellung einzunehmen. Daraufhin hatte Holtzbrinck zunächst eine Ministererlaubnis beantragt, diesen Antrag aber im September zugunsten der Verkaufslösung zurückgezogen. (APA/AFP)