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Wien - Das internationale Puppentheaterfestival "Die Macht des Staunens" geht heuer ins sechste Jahr. Von 26. November bis 7. Dezember werden 27 Vorstellungen angeboten. Sieben Produktionen aus England, den USA, Italien, Deutschland, Israel und Österreich werden dabei im Wiener Schauspielhaus zu sehen sein. "Wir versuchen immer möglichst viele verschiedene Puppentheaterformen einzuladen", erläuterte Schauspielhaus-Leiter und Festival-Mitbegründer Airan Berg bei einem Pressegespräch heute, Freitag. Auch im Preissystem versucht man, echten Fans entgegenzukommen: "Je öfter die Leute kommen, desto billiger wird es!"

Schwerpunkt: Literaturvorlagen

Dem Programm liegt dieses Jahr ein Schwerpunkt in der Beschäftigung mit realen und literarischen Vorbildern zu Grunde: US-Star Eric Bass beschäftigt sich in One Way Street (27.-29.11.) mit dem Essayisten Walter Benjamin Gyula Molnar nähert sich auf Umwegen dem russischen Kosmonauten Juri Gagarin an (29./30.11.) und "öffnet dabei den Bühnenraum nicht nur in die Gehirnwelt, sondern sogar auch ins Weltall". Eine im wahrsten Sinne "Theaterverrückte" haben sich die drei jungen Puppenspielerin der Gruppe Kasoka zum Vorbild für ihr Stück "Oma Roma" (3./4.12.) genommen: Signorina Mongiolino etablierte in den sechziger Jahren in Rom ein Mini-Avantgardetheater, in dem sie zuletzt schließlich im leerem Zuschauerraum ihre Lieblings-Monologe hielt.

Mit Literatur-Vorlagen beschäftigen sich die britische Formation Doo-cot, die nach ihrem "Frankenstein"-Gastspiel nun den "Golem" wieder aufleben lassen (5.-7.12.) und dabei alte tschechische Original-Marionetten mit computeranimierten Zeichnungen und Live-Musik verbinden.

Die traditionelle Eigenproduktion des Festival-Produzenten "Theater ohne Grenzen" widmet sich unter dem Titel "Wundkontrolle" (26. und 30.11., 2. und 4.12.) der Bibel-Geschichte des ungläubigen Thomas und beschäftigt sich mit Projektionen und Objekten "mit den sichtbaren Symbolen für das Unsichtbare"

Seit 1993 hat das Festival jedes zweite Jahr das Wiener Publikum nicht nur mit wichtigen internationalen Größen bekannt gemacht, sondern auch den Vergleich mit der regen heimischen Szene ermöglicht. Airan Berg: "Durch unsere Aufbauarbeit und die Kontinuität in der Beziehung zu den eingeladenen Künstlern haben wir die Kunstform Puppentheater für Erwachsene in Wien legitimiert." (APA)