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Premier Recep Tayyip Erdogan, Außenminsiter Gül: senden keine türkischen Truppen in den Irak

Foto: apa/EPA
Ankara - Anders als zunächst beschlossen schickt die Türkei keine Truppen in den Irak, um den USA bei der Stabilisierung des Landes zu helfen. Das türkische Außenministerium teilte am Freitag in Ankara mit, die Regierung habe dies nach einem Telefonat des türkischen Außenministers Abdullah Gül mit seinem US-Kollegen Colin Powell entschieden. Powell habe der Türkei für das Angebot gedankt und zugesagt, gegen kurdische Separatisten vorzugehen, die sich im Nordirak versteckt hielten - eine Kernforderung der Türkei, die ein Wiederaufflammen des Konflikts mit ihrer kurdischen Minderheit fürchtet.

USA bedauern

Die USA bedauerten den Schritt. Außenamtssprecher Richard Boucher sagte aber: "Lassen Sie uns nicht vergessen, dass das Ziel Stabilität im Irak ist." Den USA, der Türkei und den Irakern sei klar, dass die Entsendung türkische Truppen "zum gegenwärtigen Zeitpunkt möglicherweise dieses Ziel nicht in der Weise voran gebracht hätte, wie wir uns das erhofft hatten."

Keine Verschlechterung der Beziehungen

Experten erwarteten keine Verschlechterung der Beziehungen der beiden NATO-Staaten. Unter Verweis auf die Lage im Irak, wo die US-Truppen täglich Angriffen ausgesetzt sind, bezeichnete Oberst Terence Taylor vom International Institute for Strategic Studies in Washington die Entscheidung aber als Ausdruck von mangelndem Vertrauen.

Einsprüche der irakischen Kurden

Die türkischen Truppen hätten die US-Besatzungsarmee im Irak entlasten sollen und waren vom türkischen Parlament im vergangenen Monat auf Anfrage der USA zur Verfügung gestellt worden. Nach Einsprüchen insbesondere der irakischen Kurden und des von den USA eingesetzten Regierenden Rats im Irak war zuletzt allerdings erwartet worden, dass die USA ihre Bitte zurückziehen. Die irakischen Kurden zählen zu den engsten Verbündeten der USA im Irak.

Vorwürfe gegen die USA

In der Türkei wurden Vorwürfe gegen die USA laut. "Viele hat überrascht, dass sich die Vereinigten Staaten so verrechnet haben", sagte der Kolumnist Sami Kohen. "Es ist erstaunlich dass sie nicht wussten, wie die Iraker reagieren würden ... Für die Türkei war es sehr demütigend."

Teil der Interessensphäre

Die Türkei betrachtet den Irak als Teil ihrer Interessensphäre und befürchtet, die USA könnten den Kurden im Nachbarland in einer föderalen Struktur weitgehende Rechte zugestehen. Das einflussreiche türkische Militär hat mehrfach davor gewarnt, dass dies die Kurden im Südosten der Türkei in ihrem Kampf um mehr Rechte ermutigen und damit zu neuen Konflikten führen werde. Die Türkei bekämpft kurdische Separatisten seit Jahrzehnten und hat im mehrheitlich kurdischen Norden des Iraks bereits tausende Soldaten stehen und dies mit der Sicherung der türkischen Grenze begründet. (APA/Reuters)