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Die Einführung neuer digitaler technischer Produkte erfolgt immer nach demselben Schema: "Die Marktdurchdringung folgt einer liegenden S-Kurve", sagt Rolf Hollander, Vorstandsmitglied der CeWe Color Holding AG, einem der größten europäischen Fotoausarbeiter. "Der Besitz aller technischen Produkte setzt zuerst bei den frühen Trendsettern und Innovatoren ein, die an neuer Technik interessiert sind. Dann folgen die Trendsetter, die nicht so sehr an der Technologie als an dem schicken neuen Gerät selbst interessiert sind."

Acht Jahre

Nach der Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse, einer Untersuchung über den "Diffusionsprozess - also Marktdurchdringungsprozess - neuer Produkte", dauert es durchschnittlich acht Jahre, bis ein neues digitales Produkt die ersten Konsumenten des Massenmarkts ("frühe Nachfolger", siehe Grafik) erreicht. Demnach steht der Markt für Digitalkameras (plus anhängiger Märkte wie dem des Fotofinishing) erst am Anfang, da derzeit nur knapp zehn Prozent aller Fotokonsumenten Digitalkameras benutzen.

"Durchdringungsprozess weiter fortgeschritten"

"Bei anderen Produkten wie CD-Player oder Handys ist dieser Durchdringungsprozess schon viel weiter fortgeschritten", erläutert Hollander. Nach der Untersuchung hat die Digitalkamera erste Trendsetter als Kunden erreicht. Es sind dies Konsumenten, die frühzeitig neue Produkte anschaffen und damit auch gerne Furore vor anderen Personen machen. Und was noch wichtig ist: Diese Early Adapters sind technikinteressiert.

Gesetzmäßigkeiten

Um den Erfolg der Digitalfotografie fortzusetzen und den Massenmarkt zu erreichen, müsse deshalb nun verstärkt auf Bequemlichkeit beim Umgang mit den Geräten geachtet werden, sagt Hollander: Der typische Massenmarktkonsument hat nämlich nicht die Computeraffinität des frühen Fotoknipsers; für den gängigen Konsumenten ist eine neue Digitalkamera ebenso wie der analoge Vorgänger nur ein Mittel zum Zweck. Und auch der Preis rückt bei den Kaufüberlegungen immer stärker in den Vordergrund.

Nach dem Beispiel von CD-Playern, die den Massenmarkt bereits durchschritten haben und selbst Nachzügler als Käufer gewinnen konnten, steigt der Absatz des Produkts erst dann rasant an, wenn die breite Mehrheit beginnt, sich für das Produkt zu interessieren. Bei Handys ist der Markt mittlerweile bei der "breitesten Mehrheit" angelangt, wobei angenommen wird, dass sich aufgrund der kommenden Kamerahandys mit zwei Megapixel künftig Handy-und Kameramarkt gegenseitig befruchten werden.(Johanna Ruzicka/DER STANDARD, Printausgabe vm 8./9.11.2003)