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Das Büro des Roten Kreuzes nach dem Bombenanschlag

Foto: Reuters/Saleh
Tikrit - Zwei Wochen nach dem verheerenden Anschlag auf den Sitz des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in Bagdad will sich die Organisation weitgehend aus dem Irak zurückziehen. Nachdem zunächst nur ein Teil der Mitarbeiter abgezogen worden war, kündigte das IKRK am Samstag in Genf die Schließung der Büros in Bagdad und Basra an. IKRK-Sprecher Florian Westphal sagte zur Begründung, die Situation im Irak sei "extrem gefährlich und instabil". Bei der Explosion eines Sprengsatzes in der Stadt Falluja wurden am Samstag zwei Soldaten getötet. In Tikrit führte die US-Armee eine Offensive gegen mutmaßliche Aufständische durch und tötete dabei fünf Menschen.

Im Nordirak weiter präsent

Das Rote Kreuz bleibe aber im Nordirak präsent, sagte IKRK-Präsident Jakob Kellenberger dem Zürcher "Tages-Anzeiger". Die künftige Tätigkeit werde sich auf Besuche von Gefangenen, die Herstellung von Kontakten zu den Familien sowie humanitäre Nothilfe in den Bereichen Wasser und Medizin beschränken. Das IKRK wird nach den Worten von Kellenberger auch künftig auf militärischen Begleitschutz oder die militärische Bewachung seiner Gebäude verzichten, weil dies mit dem eigenen Verständnis von unabhängiger humanitärer Arbeit unvereinbar sei. Gerade in einer zunehmend polarisierten und radikalisierten Welt müsse und wolle das IKRK seine Unabhängigkeit bewahren, sagte der Präsident.

Reaktion auf Anschlag

Der Rückzug aus Bagdad ist eine Reaktion auf den Selbstmordanschlag vom 27. Oktober auf die IKRK-Zentrale in der irakischen Hauptstadt, bei dem zwölf Menschen getötet worden waren. "Wir mussten schmerzlich zur Kenntnis nehmen, dass das IKRK als große humanitäre Organisation für eine Gruppe von Leuten ein Anschlagziel geworden ist", sagte Kellenberger. Für das IKRK waren bis zum Anschlag Ende Oktober rund 30 ausländische Mitarbeiter sowie mehr als 600 Iraker tätig. (APA/AP/dpa)