Bagdad - Seit dem Sturz des irakischen Präsidenten Saddam Hussein im April hat die US-Zivilverwaltung Berichte über insgesamt 263 Massengräber erhalten. Die Existenz von rund 40 Gräbern mit Opfern von Massenhinrichtungen sei inzwischen bestätigt worden, sagte die Leiterin der für Menschenrechtsfragen zuständigen Abteilung, Sandra Hodgkinson, am Samstag in Bagdad. Nach ihren Angaben wird die Zahl der Iraker, die während der 24-jährigen Herrschaft Saddam Husseins verschleppt und getötet wurden, auf 300.000 bis 1,3 Millionen geschätzt. Ab Jänner würden Teams aus insgesamt rund 400 ausländischen Gerichtsmedizinern mit der Untersuchung der Massengräber beginnen.

Die meisten Massengräber in oder neben Gefängnissen

"Wir fanden Massengräber mit Kindern und Frauen, deren Leichen Kopfschüsse aufwiesen", berichtete Hodgkinson. "Wir sprachen mit Überlebenden, denen die Flucht aus den Gräbern gelungen ist, nachdem sie dort lebendig begraben worden waren. Und wir trafen Familien von Opfern, die nicht überlebten." Die meisten der bisher entdeckten Massengräber befänden sich in oder neben Gefängnissen, vor allem nördlich oder südlich der Hauptstadt Bagdad, sowie im westlichen Teil des Landes. Die Opfer seien meist Kurden und Schiiten.

Prozess der Exhumierung könnte Jahre dauern

Nach Einschätzung Hodgkinsons könnte der Prozess der Exhumierung der Leichen, ihrer Identifizierung und ihrer neuerlichen Beerdigung mehrere Jahre dauern. Die Fragen nach den Schicksalen zahlloser Vermisster müssten beantwortet werden. Nur so sei eine "Versöhnung" in der irakischen Bevölkerung möglich. (APA)