Wien/Teheran - Der Iran will sein Programm zur Urananreicherung "in den nächsten Tagen" aussetzen. Zudem werde Teheran offiziell seine Bereitschaft zur Unterzeichnung eines international geforderten Zusatzprotokolls zum Atomwaffensperrvertrag erklären, kündigte das Außenministerium am Sonntag an. Das Zusatzprotokoll gestattet der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) unangekündigte Kontrollen in allen iranischen Nuklearanlagen. Der Iran wird von der IAEO der Herstellung von Atomwaffen verdächtigt. Der Iran hatte bereits vor Wochen eine Aussetzung der Urananreicherung und die Zulassung von Kontrollen in Aussicht gestellt. Ein Zeitplan für diese Schritte stand bisher jedoch aus. Bei einem Besuch des Sekretärs des iranischen Nationalen Sicherheitsrats, Hasan Rowhani, bei der IAEO in Wien waren am Samstag jedoch Fortschritte erzielt worden. Wachsender Druck

Der Druck auf Teheran wächst, weil der Gouverneursrat der IAEO am 20. November über einen Bericht ElBaradeis zum iranischen Nuklearprogramm berät. Sollte der Rat mit der Zusammenarbeit Teherans nicht zufrieden sein, kann er den Weltsicherheitsrat anrufen, der Sanktionen gegen den Iran verhängen könnte. Vor allem die USA sprachen sich in der Vergangenheit dafür aus.

Eine arabischsprachige Zeitung meldete am Sonntag überraschend, die USA hätten mit dem Iran geheime Verhandlungen über Sicherheitsfragen aufgenommen. Die Gespräche fänden in der Schweiz statt, berichtete die Zeitung "Al Hayat" am Sonntag unter Berufung auf den irakischen Politiker Jalal Talabani. Der derzeitige Vorsitzende des Irakischen Verwaltungsrats unterhält nach eigenen Angaben enge Beziehungen zu Teheran und diente mehrfach als "Botschafter" zwischen amerikanischen und iranischen Politikern. CIA warnt vor Atomplänen Teherans

Der US-Geheimdienst CIA hat inzwischen vor den Atomplänen Teherans gewarnt. In einem am Wochenende an den US-Kongress übergebenen CIA-Bericht heißt es, dass der Iran trotz internationaler Kontrollen ein Atomwaffenprogramm fortsetzen könnte. Verdächtig sei insbesondere die Atomanlage Natanz im Inneren des Landes, deren Existenz im August vergangenen Jahres von der iranischen Opposition aufgedeckt worden war. Mit den etwa 160 dort installierten Zentrifugen könnte der Iran unter zivilem Deckmantel weiter an einem Waffenprogramm arbeiten, hieß es in dem Bericht.

Auch westliche Diplomaten zeigten sich skeptisch angesichts der wiederholten Erklärung des Iran, keine Atomwaffen herzustellen. "Wenn sie klug sind, und wir glauben, dass sie das sind, dann werden sie versuchen, bis zum 20. November zusammenzuarbeiten", sagte der Diplomat. Nach einer Erklärung der IAEO, in der ihr Kooperationsbereitschaft bescheinigt würde, könnte die Führung in Teheran erneut "alle Regeln brechen". Satellitenbilder Ende 2002 hatten Satellitenbilder die Existenz der geheimen Atomanlage in Natanz, rund 300 Kilometer südlich von Teheran, zutage gebracht. Die Inspektoren der IAEO fanden dort einen weitläufigen Nuklearkomplex vor, mehr als 20 Meter unter der Erde verborgen und durch 2,5 Meter dicke Wände vor möglichen Luft- und Raketenangriffen geschützt. Hier stieß man auf eine Zentrifuge mit Spuren hoch angereicherten waffenfähigen Urans. Der Iran erklärte, man habe die betroffene Zentrifuge über Zwischenhändler gekauft und sie sei bereits verunreinigt gewesen. (APA/AFP)