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Julia Cencig spielt Mozart

Foto: APA/Schlager
Wien - Vor Julia Cencig liegt eine aufregende Woche: Am Mittwoch (12.11.) wird die 31-jährige gebürtige Salzburgerin bei der Uraufführung von Franzobels "Mozarts Vision" als Musikgenie Wolfgang Amadeus Mozart auf der Bühne des Volkstheaters Wien stehen. Und am Samstag (15.11.) wird sie im Wiener Ronacher mit Spannung verfolgen, wenn im Rahmen der "Nestroy"-Gala das Kuvert mit dem Sieger in der Nachwuchs-Kategorie geöffnet wird. Ihre fulminante Darstellung der "Lulu" in der Gustav Ernst-Version von Wedekinds Klassiker erregte in der vorigen Saison erhebliches Aufsehen und brachte ihr eine Nominierung für den Theaterpreis ein.

Herausforderung

Anlässlich der U3-Produktion der "Lulu" wäre Regisseur Alexander Kubelka und Volkstheater-Intendantin Emmy Werner gleichzeitig die Idee gekommen, sie als Mozart zu besetzen, erzählt Cencig. "Es ist eine Riesen-Herausforderung", meint die Darstellerin zu der "sehr lustvollen und spannenden Arbeit an einem schwierigen Stück", die "viele Höhen, aber auch viele Tiefen gebracht hat." Natürlich wäre es eine tolle Sache, einmal Mozart spielen zu können, doch in der von Franzobel geschriebenen Rolle steckten "Phantasien, die ich erst nachvollziehen musste."

Der Bachmann-Preisträger, der am Volkstheater u.a. mit "Mayerling" zu sehen war, hat in seinem Auftragsstück, das als Doppelpack mit Peter Shaffers Bühnenversion von Mozarts Lebensgeschichte angeboten wird (mit 50 Prozent Preisnachlass bei Vorweisen einer "Amadeus"-Karte), viel an historischen und aktuellen Bezügen eingearbeitet, doch keine tragfähige Basis für Figuren und Situationen geschaffen. Cencig: "Es ist eine assoziative Annäherung an diverse Mozart-Bilder und -Phantasien, quer durch das Gemüsebeet. Ob sich der rote Faden, den wir für uns gefunden haben, erzählen wird, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass Franzobel sein Stück nicht wiedererkennen wird."

Dass Julia Cencig, die nach einem kurzen Romanistik-Studium am Volkstheater die Schauspielschule absolvierte, über einen hoch professionell gestalteten Internetauftritt (http://www.julia-cencig.com) verfügt, verdankt sie allerdings nicht ihrer Bühnen-Karriere, sondern ihrer Rolle der Gina Aigner in der Fernseh-Action-Serie "Medicopter 117": "Bei den Dreharbeiten habe ich so viel Post von Fans bekommen, die mich nach meiner Homepage gefragt haben, dass ich mir gedacht habe: Wenn, dann gleich g'scheit!". Die Serie, bei der sie seit Frühjahr 2001 in drei Staffeln in fast dreißig Folgen mitwirkte, hat ihr einen "echten Schub" und "irre viel Kameraerfahrung" gebracht.

Mit dem Begriff "Erfolg" geht die quirlige Schauspielerin recht pragmatisch um: "Seit zehn Jahren lebe ich von diesem Beruf und war noch nie arbeitslos. Das ist für mich der größte Erfolg." Ob sie künftig mehr auf Film- oder Theaterprojekte setzt (Cencig drehte u.a. auch mit Wolfgang Murnberger und Paul Harather), weiß sie noch nicht so recht: "Ich sehe mich in keiner Konstellation länger als ein halbes Jahr. Um jahrelang auf Theater-Kommune zu machen, bin ich viel zu wenig Herdentier." Nach "Mozarts Vision" spielt sie am Volkstheater unter Emmy Werners Regie noch Bahrs "Das Konzert". "Und dann werde ich einen langen Urlaub machen. Ich habe schließlich ein Jahr lang praktisch durchgearbeitet." (APA)