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Ein Helikopter über dem US-Hauptquartier in Bagdad.

Foto: APA/ EPA/ALI HAIDER
Erstmals seit der Eroberung des Irak durch US-Truppen im April war am Wochenende wieder Lärm von Kampfflugzeugen am Himmel über Bagdad zu hören. Die F-16-Maschinen bombardierten in der Nacht zum Samstag Ziele in Tikrit und in der darauf folgenden Nacht solche in Falluja. In Tikrit wurden außerdem Panzer und schwere Artillerie eingesetzt. Manche westliche Fernsehsender sprachen von einer "Offensive" der US-Streitkräfte. Die Aktion in Tikrit war offensichtlich als Vergeltung für den Abschuss eines Black-Hawk-Kampfhubschraubers am Tag zuvor gedacht, nachdem die US-Armee letztlich zugegeben hatte, dass es sich nicht um einen Absturz gehandelt hatte. Alle sechs Soldaten an Bord waren am Freitag dabei umgekommen - drei weitere amerikanische Todesopfer bei Anschlägen gab es am Samstag, die toten Iraker zählt keine Statistik. "Koalitionsfeindlichen Kräften

Die US-Offensive richtete sich gegen leer stehende Gebäude und Baumgruppen im Bereich der Abschussstelle, die nur einen knappen Kilometer vom örtlichen Divisionskommando entfernt liegt. Von Opfern und Gefangenen war keine Rede. Das US-Militär bezeichnete die Pulverisierung der Gebäude als eine "Demonstration der Stärke", um den "koalitionsfeindlichen Kräften Deckung und Unterschlupf zu nehmen".

Die Bomben auf Falluja in der Nacht darauf waren nach US-Angaben als Antwort auf Angriffe von Widerständlern gedacht, die sich gegen US-Patrouillen richteten. Drei amerikanische Soldaten wurden bei diesen verletzt. Die F-16-Kampfjets hätten insgesamt drei 500-Pfund-Bomben abgeworfen, auf das Terrain, in dem die Angreifer vermutet wurden. Über Opfer und Schäden wurde zunächst nichts bekannt. Strategische Bedeutung

Das US-Militär spielt die strategische Bedeutung des Widerstands herunter. Tatsächlich können die Aufständischen mit ihren Panzerfäusten und selbst gebastelten Sprengsätzen den Besatzern schmerzhafte Nadelstiche zufügen, ihnen aber kein Terrain abringen.

US-Politiker wählen allerdings eine leicht unterschiedliche Diktion. "Wir sind in einen Aufstand verwickelt, und das ist ziemlich nahe am Krieg", sagte Vizeaußenminister Richard Armitage am Samstag vor der Presse in Bagdad. Zugleich gab sich der bullige, kahlköpfige Spitzendiplomat zuversichtlich, dass die US-Truppen das "Sicherheitsproblem" mit einem "handfesten Plan" in den Griff bekommen würden - eine Zuversicht, die angesichts der neuen Eskalation von vielen vor Ort skeptisch beäugt wird. (DER STANDARD, Printausgabe, 10.11.2003)